„Für uns hat sich dadurch nichts geändert“, sagte Drillisch-Chef Pascalis Choulidis heute der Nachrichtenagentur Reuters. Drillisch verhandele weiterhin exklusiv mit Freenet über eine Herauslösung des Mobilfunkgeschäfts der ehemaligen Mobilcom, betonte er. Der Internetanbieter United Internet bleibe Partner in der gemeinsamen Firma MSP, die für eine Anteilsaufstockung oder Übernahme von Freenet gegründet worden war. Nach den Plänen der drei Verhandlungspartner sollte das Mobilfunkgeschäft von Freenet an Drillisch gehen, die DSL-Sparte wäre an United Internet gefallen. Die bilateralen Gespräche zwischen Freenet und United Internet waren aber überraschend am Montag gescheitert. Choulidis betonte, United Internet sei „nicht der Einzige“, der sich für das Geschäft mit dem schnellen Internet von Freenet interessiere. Um wen es sich dabei handeln könnte, ließ der Drillisch-Chef offen. „Wir werden jeden unterstützen, der Interesse zeigt.“ An der Kapitalerhöhung, die mehr als 100 Millionen Euro einbringen soll, halte er fest. Die knappen Mitteilungen von United Internet und Freenet hinterließen Analysten ratlos. Choulidis sagte Reuters, er habe davon selbst erst aus der Pflichtmitteilung erfahren. Die Aktien aller drei Unternehmen gaben deutlich nach. Drillisch fielen um elf Prozent auf 6,20 Euro, Freenet brachen um 15 Prozent auf 14,70 Euro ein. United Internet verloren fast acht Prozent auf 15,19 Euro. „Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass da zwei Charaktere aufeinandergetroffen sind, die sich in die Haare geraten sind“, sagte Frank Rothauge. Der Branchenexperte des Bankhauses Sal. Oppenheim hält eine Aufspaltung von Freenet nach wie vor für eine Option. Fraglich sei nur, ob sie noch von United Internet betrieben werde. Drillisch bleibe am Ball. „Vielleicht springt Telefonica ein“, meinte Rothauge. Telefonica in Deutschland mit der Mobilfunkmarke O2 am Markt. Darüber hinaus macht Telefonica Internetangebote für Firmen und Wiederverkäufer wie United Internet, nicht aber für Endkunden. Das Investmenthaus Equinet hält eine feindliche Übernahme des DSL-Geschäfts durch United Internet weiterhin für möglich. Analyst Adrian Pehl vermutet, dass sich United Internet alle Möglichkeiten offenhält, um an das DSL-Geschäft von Freenet zu kommen. Die Landesbank Baden-Württemberg vermutet, dass Freenet-Chef Eckhard Spoerr „insgeheim weiter die Hoffnung hegt, im nächsten Jahr seine Vision eines integrierten Telekombetreibers verwirklichen zu können. Daher dürften sich die Gespräche entsprechend schwierig gestaltet haben“, schreibt LBBW-Analyst Andreas Heinold in einer Kurzstudie. [20.11.2007] rtr
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