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Ein Mann ackert für Deutschland -

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neuester Beitrag: 09.08.09 17:00
eröffnet am: 20.10.05 08:55 von: quantas Anzahl Beiträge: 479
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20.10.05 08:55
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15830 Postings, 6381 Tage quantasEin Mann ackert für Deutschland -

und statt es ihm zu danken, will man den Bankier Josef «Joe» Ackermann wieder vor Gericht bringen. Es geht um 110 Millionen Euro und die Frage: Was ist das für ein Mensch, in dem unsere Nachbarn ein unzähmbares, kapitalistisches Raubtier sehen?

Erweckungs-Gottesdienst ist das keiner. Die Herren auf dem Podium lesen ihre Reden auf so einschläfernde Weise ab, dass man eher ihren Mundbewegungen als dem Inhalt folgt. Letzterer ist ohnehin bekannt. Die Deutsche Bank will ihre Rendite auf 25 Prozent erhöhen und entlässt 6400 Mitarbeiter.

Das freilich wusste das Publikum im stählernen Gestänge der Frankfurter Messe schon vorher. Erschienen ist es aus ganz anderen Gründen: Wie sieht ein Bankboss nach so viel Prügel aus? Mit knapper Not dem Gefängnis entronnen, ein neues Verfahren am Hals, von linken Politikern zur Heuschrecke gemacht und auch von besonnenen Medien als Inbegriff des Abzockers hingestellt. Kunden haben seinetwegen ihr Bankkonto gekündigt; von der versprochenen Honorarprofessur an der Universität Frankfurt ist nicht mehr die Rede.

Doch Josef Ackermann sieht aus wie immer: heiter. Die volle Tolle über der Stirn ist frisch geföhnt, der Rücken scheint breiter denn je. Und neben den schmalschädligen, schmallippigen und schmalnasigen Vorstandsherren der Deutschen Bank wirkt er wie ein Bonvivant, der darauf wartet, dass endlich der gemütliche Teil beginnt. Das, allerdings, dauert lange. Immer neue erboste Aktionäre entern das Mikrofon. «Früher», sagt einer, «kam es für einen Sparkassenkunden einem Ritterschlag gleich, bei der Deutschen Bank ein Konto zu haben. Heute muss man sich dafür schämen.» Ein anderer klagt: «Wo immer auf der Welt eine Schweinerei passiert, ist die Deutsche Bank dabei.» Der Nächste klopft mit knöchernem Finger auf einen siebzehn Seiten langen Brief: «Wenn das stimmt, was da drinsteht, dann ist Herr Dr. Ackermann ein riesiger Abstauber.» Der Brief, unterschrieben von «leitenden Mitarbeitern» der Deutschen Bank, wurde ihm, als bekannt kritischem Aktionär, vor der diesjährigen Generalversammlung zugestellt.

Braut ohne lästigen Anhang


Der Inhalt ist happig. «Ganz Schmusekätzchen statt Kontrollinstanz», steht da, sieht der Verwaltungsrat zu, wie Josef Ackermann mit einem Sturmtrupp Getreuer die Festung Deutsche Bank zur Übernahmekandidatin trimmt. Und dies aus reinem Eigennutz: «Der Verkauf würde Herrn Dr. Ackermann eine Ablöse von 300 Millionen Euro zusätzlich bringen.» Bereits kann er die Braut ohne lästigen Anhang präsentieren. Die meisten Industriebeteiligungen sind verscherbelt – für den Geschmack potenter Bewerber bieten sie zu wenig Rendite. Die traditionellen Bankgeschäfte wurden zurückgestuft – ihr bescheidener Gewinn könnte die Begehrlichkeit des Bräutigams dämpfen. Ganz auf den Profithunger internationaler Investoren zugeschnitten ist dagegen das neue Investmentbanking in London, wo, so die «leitenden Mitarbeiter», eine «Horde rücksichtsloser anglo-amerikanischer Einzelkämpfer» Geld um des Geldes willen macht.

Erstes Geld mit Maikäferverkauf


Die Briefverfasser lassen in ihre Sorge über das Schicksal der Deutschen Bank viel Bitterkeit über das eigene Los einfliessen. Für Herrn Dr. Ackermann, klagen sie, «zählen wir Deutschen nicht mehr». Wichtig ist ihm nur noch die «geldgierige Londoner Clique», die kein Risiko scheut. Sie residiert an teuerster City-Lage und ist, trotz ihrer oft «grausam schlechten Ausbildung, masslos überbezahlt». Dafür beherrscht sie «das virtuose Halten von Folienvorträgen, das Lügen, ohne rot zu werden, und das Punkten, ohne wirklichen Inhalt zu transportieren».

Die «Wut und Lethargie» der Deutschen erhöht, dass die Londoner Investmentbanker inzwischen zwei Drittel aller Erträge der Deutschen Bank erwirtschaften. Und dass sie dies mit unerhört leichter Hand tun. «Nach fünf Uhr abends», klagt ein Frankfurter Banker, «kann ich in den Londoner Offices niemanden mehr erreichen.» Klar, die Londoner haben Besseres zu tun. Mal feiern sie im Klub «The Clarence» auf Bankkosten ihre neuen Rekord-Boni; mal fliegen sie mit ihren «high potential»-Kunden zu einem Kylie-Minogue-Konzert nach Barcelona. «Der Trip kostete die Bank eine Million Pfund», rechnet ein Deutscher bitter vor. «Dafür werden bei uns die Papierkörbe aus Spargründen nur noch zweimal wöchentlich geleert.

Angezettelt hat diesen erbarmungslosen Kulturkampf zwischen traditionellem deutschem Bankengeschäft und globalem Shareholder-Kapitalismus ein Mann, den die meisten persönlich ganz nett finden. Selbst Gewerkschafter Leo Wunderlich. Als Vorsitzender des Konzern- und Gesamtbetriebsrates der Deutschen Bank kennt er Josef Ackermann aus vielen Sitzungen. «Auch bei harten Auseinandersetzungen verhielt er sich immer sehr verständnisvoll und setzte sich für humane Lösungen ein.»

Private Freunde loben Josef Ackermanns persönliche Bescheidenheit, seine Umgänglichkeit und seinen Hang zum Musischen. Josef Ackermann liebt alles Schöne und Gute, vor allem Verdi und Mozart. Seine Firma unterstützt das Beste vom Besten, die Berliner Philharmoniker, er selbst das Zürcher Opernhaus. Seine Frau ist eine Finnin, die er an der Handelshochschule St. Gallen kennen gelernt hat; die einzige Tochter wird allgemein als «überaus reizend und selten gut erzogen» gelobt. Gut, hin und wieder wundern sich die Zürcher über den biedern Auftritt des Ehepaars Ackermann. «Wüsste man nicht», fasst eine Gastgeberin zusammen, «dass er die Milliarden der grössten Bank Deutschlands verwaltet, glaubte man, den Kassier einer Melser Jasskasse vor sich zu haben.»

Mels. Ganze Mediengeschwader sind schon ausgerückt, um Josef Ackermanns Heimatort zu besichtigen. Aus welchem Zwinger ist dieses kapitalistische Raubtier ausgebrochen? Lässt sich in Mels das Rätsel erklären, wie ein braver Landbub zum meistgehassten Manager Deutschlands mutierte? Wie einer, der sein erstes Geld mit Altpapiersammeln und dem Verkauf von Maikäfern verdiente, zum Symbol für Geldgier und Masslosigkeit werden konnte?

Gesangsstunden


Die Ausbeute solcher Forschungsreisen ist mager. Klar wird allen nur eines: Mels ist kein Ort, wo ein junger strebsamer Mann freiwillig bleibt. Wie zähflüssiger Teig zieht sich das Dorf der Autobahn und dem SBB-Schienenstrang entlang; darüber droht ein stumpfer und dumpfer Berg, an dem nichts Heroisches ist. Den Allerweltshäuschen sieht man an, wie mühsam sie zusammengespart worden sind, den Menschen, dass sie nur eines wollen: in Ruhe gelassen werden. Josef Ackermann scheint keine bleibenden Spuren hinterlassen zu haben. Einer der drei Buben vom Dr. Ackermann halt, dem Dorfarzt, der seinen altersschwachen VW zu jeder Tages- und Nachtzeit den Berg hinaufquälte und für einen Franken auch einen Zahn zog. Als er sich 1980 selbst pensionierte, lobte das Lokalblatt, der Sarganserländer, sein Pflichtbewusstsein, seine Aufopferung und seine grosse Güte.

Für Sohn Josef fanden die Studienkollegen an der Handelshochschule St. Gallen andere Adjektive zutreffender: smart und unkompliziert. Weder aufdringlich ehrgeizig noch überdurchschnittlich brillant. Nahm Gesangstunden, war Speerwerfer. Damit passte er genau in die lockere Bankergeneration, die in den achtziger Jahren durchstartete. Mit 42 Jahren war Josef Ackermann Generaldirektor der Schweizerischen Kreditanstalt, wie die Credit Suisse damals noch hiess, mit 45 Jahren deren Präsident. Am glücklichsten über die Beförderung zeigten sich die Medien. An Ackermanns hölzernem Vorgänger Robert Jeker hatten sie sich die Zähne ausgebissen, und Holdingpräsident Rainer E. Gut geruhte nur mit der Financial Times zu sprechen. Jetzt aber kam einer, der ebenso entspannt über seinen Ekel vor Tätowierungen und Kutteln plauderte wie über sein Paradestück: die Verschmelzung der Volksbank in den SKA-Konzern. Das jährliche Mittagessen des Tages-Anzeigers mit den Bankspitzen, erinnert sich der damalige Chefredaktor Peter Studer, wurde zu einer durchaus vergnüglichen Angelegenheit.

Begeistert über den offenen Banker, stellten die Medien selbst den Knick in Josef Ackermanns steiler Karriere als Folge seines sozialen Gewissens hin: Von einem Tag auf den andern hatte er 1996 seinen Schreibtisch am Zürcher Paradeplatz verlassen. Er konnte, erklärte die Presse, den rabiaten Umbau seiner Bank mit 8500 gekündigten Arbeitsplätzen nicht mittragen: «Er wollte seinen Mitarbeitern ins Gesicht schauen können.» Verfolgt man freilich, wie unzimperlich er ein paar Jahre später die Abspeckung der Deutschen Bank betrieb, scheint eine andere Variante wahrscheinlicher: Im neuen Organigramm der Credit Suisse wäre Josef Ackermann nicht mehr die Nr. 2 hinter Rainer E. Gut gewesen. Er hätte seine Macht mit zwei oder drei Gleichgestellten teilen müssen.

Fern von Loyalitätsskrupeln


Schon vier Monate nach seinem abrupten Abgang sass er wieder weich und hoch im Vorstand der Deutschen Bank in Frankfurt; seit 2002 ist er dort oberster Boss und damit Inhaber des prestigeträchtigsten Managerjobs, den Deutschland zu vergeben hat. Josef Ackermann erfüllte alle Erwartungen, die in ihn gesetzt wurden. Im Nu hatte er 20000 der 85000 Arbeitsplätze abgebaut und in London das lukrative Geschäft mit Grosskunden, Kredit- und Marktrisiken aufgebaut. Denn dort konnte er, ungestört von lästigen deutschen Gewerkschaften und staatlichen Regelungen, mit allem Geld machen, womit sich in Globalisierungszeiten Geld machen liess – vor allem mit Hedge-Funds, Fusionen und Übernahmen.

Gut möglich, dass die Deutsche Bank Josef Ackermann nicht nur wegen seiner Banker-qualitäten angestellt hatte. Einem Schweizer, so wohl das Kalkül, nehmen die Deutschen die ruppigen Umbau- und Aufräumarbeiten weniger übel als einem Landsmann. Massenkündigungen, im traulich gefärbten Emil-Idiom ausgesprochen, scheinen weniger einschneidend. Sieht einer aus, als würde er erst am Stammtisch zu seiner vollen Form auflaufen, fühlt sich die Basis möglicherweise eher verstanden. Zudem weiss man von andern Bereinigungen solcher Art: Ein Ausländer erledigt einen Job, der Härte erfordert, rascher. Er lässt sich von den gewachsenen und zementierten Strukturen weniger einschüchtern, neigt zu weniger Rücksichtnahme und nationalen Loyalitätsskrupeln.

Sturm gegen die «Ackermänner»


Doch der Um- und Abbau der Deutschen Bank verlief harziger als erwartet. Zu verknöchert die deutschen Arbeitsgesetze, zu üppig die Sozialleistungen, zu lästig die verbriefte Mitbestimmung der Angestellten. Auf einem Heimtrip in der Schweiz seufzte Josef Ackermann vor Kollegen: «Ihr lebt auf einer Insel der Glückseligen...» Tatsächlich: Die schweizerische UBS erwirtschaftet mit einer um 20000 Mitarbeiter kleineren Belegschaft ähnliche Zahlen wie die Deutsche Bank. Und bezahlt nur 21 statt 38 Prozent Steuern.

Nicht nur das Mitleid der Kollegen, auch die Teilnahme der Schweizer Presse war Josef Ackermann sicher. Sie nannte ihn «unseren Winkelried» in Deutschland und die hässlichen Vorwürfe der Deutschen «Hyperventilieren». Ganz besonders beschämend fand sie, dass SPD-Chef Franz Müntefering mit «Ackermänner» die bösartigste Art Kapitalisten meinte und die internationalen Grossinvestoren und milliardenschwere Fonds mit «Heuschreckenschwärmen» verglich, «die grasen und weiterziehen».

Damit nicht genug. Der Dramatiker Rolf Hochhuth machte Ackermann in einem Theaterstück zur raffgierigen Hauptfigur; namhafte deutsche Manager warfen Ackermann öffentlich «verfremdeten schweizerischen Erwerbssinn» vor. Was wohl nur allzu leicht mit «typisch helvetischer Geldgier» übersetzt werden kann. Im eigenen Haus spotteten Mitarbeiter über seinen «plumpen, dörflichen Dialekt». Untergebene mokierten sich über seinen Hang zu englischen Ausdrücken: «Eine sprachliche Zumutung.» Und machten aus seinem Leitspruch «A Passion to Perform» eine «Leistung, die Leiden schafft».

Inzwischen ist die gegenseitige Gereiztheit so gross, dass Josef Ackermann Deutschland von Herzen verleidet scheint. Immer seltener trifft man ihn in Frankfurt an; viel lieber bleibt er dort, wo man ihn Joe statt Josef nennt und das Leben lockerer nimmt: in seinen Zweit- und Drittwohnsitzen in London und New York. Zweifellos den Rest gegeben hat ihm der Mannesmann-Prozess. 37 quälend lange Prozesstage musste er in einer Düsseldorfer Amtsstube zuhören, wie man ihn der ungetreuen Geschäftsführung bezichtigte. Daran gewöhnt, dass sich alles nach seiner Agenda richtet, hatte er sich plötzlich einem fremden Willen zu unterordnen. Nach jedem Verhandlungstag sprang er von der Bank wie ein Schüler beim Läuten der Pausenglocke; sein Griff nach dem Handy war die Geste eines Süchtigen. Wochenlang war er Leuten ausgeliefert, die keine Ahnung vom modern banking hatten. Die nicht einmal wussten, wie man appreciation award korrekt aussprach. Damit waren die 110 Millionen Mark gemeint, die er als Mannesmann-Aufsichtsrat an eine Hand voll Mannesmann-Topmanager verteilt hatte. Ein verdientes Dankeschön. Schliesslich war es ihrem Verhandlungspoker zu verdanken, dass die britische Übernahmefirma Vodafone sehr viel mehr für die Mannesmann bezahlen musste.

Fehler, Fehler, Fehler


Zum Glück teilte die Düsseldorfer Richterin Josef Ackermanns Meinung. Leider hielt die Erleichterung über ihren Freispruch nicht lange an. An diesem 20. und 21. Oktober entscheidet der Bundesgerichtshof, ob der Prozess neu aufgerollt wird: Mannesmann reloaded.

Die Geschenke, plädiert der Chefankläger der Bundesrepublik, dienten ausschliesslich den privaten Interessen der Beschenkten und wurden damit der Firma entzogen. Anders ausgedrückt: Josef Ackermann hat Geld verteilt, das ihm gar nicht gehörte. Wie auch immer: Die Volksempörung richtet sich weniger gegen die geschenkten Millionen als gegen die nonchalante Croupier-Geste, mit der sie über den Tisch geschoben wurden. Wie abgeschottet vom wirklichen Leben musste die Managerkaste leben, dass sich keiner mehr fragte, mit welcher Leistung solche Summen zu vereinbaren waren...

Einmal aus dem Tritt geraten und aus seinem Manager-Selbstverständnis gerissen, begann Josef Ackermann, Fehler über Fehler zu machen. Zwar waren seine zum V-Zeichen gespreizten Finger nur eine bübische Verlegenheitsgeste gewesen. Wer erschrickt nicht, wenn ihm vor dem Gerichtsgebäude eine hundertköpfige Fotografenmeute entgegenblitzt... Das Volk jedoch deutete sein Siegeszeichen und sein Siegerlächeln anders: So arrogant also ist Deutschlands gefrässigste Heuschrecke...

Gleichzeitig begann sich die Bankenkonkurrenz über den Zickzackkurs zu wundern, den Josef Ackermann plötzlich fuhr. Mal wollte er den braven deutschen Kleinkunden zurückgewinnen, dann doch wieder lieber nicht. «Die Deutschbanker wechseln ihre Strategien wie ihre Businesshemden», spottete das deutsche Manager-Magazin.

Zu den dicksten und gehässigsten Schlagzeilen aber führte Ackermanns Ankündigung im Frühling dieses Jahres, 25 Prozent Rendite schaffen und gleichzeitig 6400 Mitarbeiter entlassen zu wollen. Noch schlimmer: Er tat dies nur einen Tag nachdem bekannt geworden war, dass die Zahl der arbeitslosen Deutschen erstmals nach dem Weltkrieg die Fünf-Millionen-Marke überschritten hatte.

Medialer Super-GAU? Mangelndes Fingerspitzengefühl? Mitnichten. Gezielte Provokation, begangen von einem Manager, der sich ungerecht behandelt und missverstanden fühlte. Obwohl ihn besorgte Mitarbeiter vor dieser Verquickung zur Genüge gewarnt hatten – Josef Ackermann wollte raufen. Mit Gewalt ein paar Binsenweisheiten in die dumpfen deutschen Schädel einhämmern: Die Zeit der linken Träumereien ist vorüber. Erst kommt die Rendite, dann die Rente. Erst der Profit, dann die Nächstenliebe. Das kapiert man auf der ganzen Welt. Nur in Deutschland offenbar nicht.

Heftiger Applaus


Tatsächlich. An der Frankfurter Aktionärsversammlung trat ein besorgter Langweiler nach dem andern – leicht erkennbar am bunten Pullover oder bunten Schal – ans Mikrofon und lamentierte über die verantwortungslose Deutsche Bank. Was hilft’s, wenn der Gewinn zwar o.k., der Ruf aber im Eimer ist? Wenn Tausende dabei arbeitslos werden? Rein persönlicher Ehrgeiz treibt Herrn Dr. Ackermann dazu, auf 25 Prozent Gewinn zu bestehen in einer Zeit, wo sich ein anständiges Unternehmen mit sehr viel weniger begnügt. Und überhaupt: Warum soll man so viel verdienen?

Mit jedem neuen Redner lichteten sich die Saalreihen deutlicher. Lieber als an solcher Moral nagten die Aktionäre im Vestibül an den ausgedörrten Hühnerflügeln, mit denen sie die Deutsche Bank dieses Jahr buchstäblich abspeiste. Erst als Josef Ackermann sprach, strömte das Publikum zurück in den Saal. Er fand es, las er vom Blatt, beschämend, dass jetzt alle auf einen, nämlich auf ihn, zielten. Lebhafter Szenenapplaus. Er sagte, er denkt nicht daran, von seinem Kurs abzuweichen. Applaus. Zwar hatte die Bank letztes Jahr so viel wie schon lange nicht mehr verdient, nämlich 17 Prozent. Doch das ist nicht genug. Es müssen 25 Prozent sein. Nur so kann die Bank mithalten mit der internationalen Konkurrenz. Nur so bleibt sie für die Anleger attraktiv. Heftiger Applaus.

Was Josef Ackermann nicht sagt: 25 Prozent Gewinn, gegen alle Widerstände herbeigezwungen, werden auch ihn selbst für einen zukünftigen Arbeitgeber attraktiv machen. Denn entscheidet sich der Bundesgerichtshof – was allgemein erwartet wird – für die Wiederaufnahme des Verfahrens, droht Ackermann ein Schuldspruch. Und ein verurteilter Straftäter an der Spitze der Deutschen Bank ist kaum vorstellbar.

Es ist Nacht, als der Verwaltungsrat der Deutschen Bank endlich von seinen Aktionären erlöst wird. Die Saalkamera wirft ihre Gesichter auf die Leinwand. Josef Ackermann sieht noch immer aus wie ein Bonvivant, zwar etwas ramponiert, doch geradezu trotzig unbekümmert. Vielleicht allzu sehr. Vor allem verglichen mit den übrigen Herren auf dem Podium. Sie umstehen ihn wie ratlos-besorgte Ärzte, die sehr viel mehr wissen als der fröhliche Patient.

Am 20. und 21. Oktober entscheidet der Bundesgerichtshof in Karlsruhe, ob der Mannesmann-Prozess neu aufgerollt wird.

Die Weltwoche, Zürich

 

20.10.05 08:57
2

95441 Postings, 7932 Tage Happy EndKREISCH*lol*ggg*rofl*BRÜLL

20.10.05 08:58

95441 Postings, 7932 Tage Happy End....oder: Eine ID bilanziert für die Schweiz

20.10.05 10:02
2

15830 Postings, 6381 Tage quantasKreisch lol ggg rofl usw. und was noch?

Kannst Deine Grünen für witzig ruhig behalten!

quantas  

20.10.05 10:54

15830 Postings, 6381 Tage quantasAckermanns Albtraum

20. Oktober 2005 In der Deutschen Bank gibt man sich entschlossen: „Wir stehen hinter Josef Ackermann.” Führungskräfte haben eine Mail erhalten, in der noch einmal festgehalten wird, warum Ackermann aus Sicht der Bankjuristen im ersten Mannesmann-Prozeß zu Recht freigesprochen wurde.

http://www.faz.net/s/...869BA4FABF2D476B37~ATpl~Ecommon~Scontent.html  

20.10.05 11:19
2

1113 Postings, 6528 Tage CorypheanaDu bist Josef Ackermann, Du bist Helmut Kohl

20.10.05 11:41
1

10041 Postings, 7404 Tage BeMiAckermann

hat ja wohl dafür mitgesorgt,
daß Tausende von Arbeitsplätzen bei Mannesmann
verschwunden sind und daß die Totengräber dieses
Konzern dick abkassiert haben.
Daneben schmeißt er bei der DB Tausende raus, und
seine Hausmafia kassiert den größten Teil des
DB-Gewinns.
Solche skrupellosen Manager brauchen wir nicht
in Deutschland.

Zurück in die Schweiz!
Da frönt man ja wohl noch einem zügellosen
Kapitalismus früindustrieller Zeit mit
freier Marktwirtschaft.
Wir in Deutschland sind jedoch lt. Artikel 20 GG
ein Sozialstaat mit sozialer Marktwirtschaft.

Kohl hat durch die Spendenaffäre unsere Demokratie und
seine Partei in Verruf gebracht.
Er gehört bei gesundem Verstand eigentlich ins
Gefängnis und nicht auf das Ehrentreppchen.

Ciao
BeMi
 

20.10.05 11:48

21799 Postings, 8335 Tage Karlchen_IBeMi. Nee nee.

Das ist die politische Kultur in Deutschland. Brutto-für-Netto-Otto haben sie ja schließlich auch zum Ehrenvorsitzenden der FDP gemacht.  

20.10.05 11:52

15830 Postings, 6381 Tage quantasAckermann Anwalt rechnet mit Erfolg in derRevision

Karlsruhe (Reuters) - Vor dem Bundesgerichtshof (BGH) hat die Revisionsverhandlung im Untreue-Prozess gegen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und andere Manager im Zusammenhang mit der Mannesmann-Übernahme begonnen.

Er gehe davon aus, dass die Freisprüche des Landgerichts Düsseldorf Bestand hätten, sagte Ackermanns Anwalt Eberhard Kempf am Donnerstag in Karlsruhe kurz vor Verhandlungsbeginn. "Ich denke ja - ja im Ergebnis, aber nicht in der Begründung."

Das höchste deutsche Strafgericht in Karlsruhe muss entscheiden, ob die Freisprüche des Landgerichts Düsseldorf vom Sommer 2004 Bestand haben oder das Verfahren neu aufgerollt wird. Unter den Angeklagten sind auch Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und der frühere Mannesmann-Vorstandsvorsitzende Klaus Esser. Sollte es tatsächlich zu einer Neuauflage und am Ende zu einer Verurteilung Ackermanns kommen, dürfte dies für ihn das Ende an der Spitze von Deutschlands größtem Geldhaus bedeuten. Anders als Esser erschien der Schweizer am Donnerstag selbst nicht in Karlsruhe.

Im Zentrum des Verfahrens stehen die rund 57 Millionen Euro an Prämien und Abfindungen, die bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone im Jahr 2000 an Führungskräfte des Düsseldorfer Traditionskonzerns flossen. Alleine Esser erhielt damals zehn Millionen Pfund (umgerechnet knapp 15 Millionen Euro). Nach einer monatelangen Bieterschlacht hatte das Mannesmann-Management der Transaktion zugestimmt und damit den Weg zur mit 180 Milliarden Euro größten Firmenübernahme der Geschichte freigemacht.

In der ersten Instanz vor dem Landgericht hatte die Staatsanwaltschaft wegen Untreue oder Beihilfe dazu für alle sechs Angeklagten Haftstrafen - zum Teil auf Bewährung - gefordert. Vom Vorwurf der Käuflichkeit waren die Ankläger abgerückt. Unterstützung erhalten sie vor dem BGH nun von Generalbundesanwalt Kay Nehm, der im Urteil des Landgerichts deutliche Rechtsmängel ausgemacht hat und sich der Revision angeschlossen hat.

Eine Entscheidung unmittelbar im Anschluss an die auf maximal zwei Tage angesetzte mündliche Verhandlung gilt als äußerst unwahrscheinlich, die Urteilsverkündung wird erst in einigen Wochen erwartet. namhafte Strafrechtsexperten haben die Freisprüche kritisiert.

 

20.10.05 14:33

15830 Postings, 6381 Tage quantasEndlich ernten

Am 20. Oktober beginnt das Mannesmann-Revisionsverfahren. Josef Ackermann droht ein neuer Prozess. Doch sein Standing in der Bank ist besser als je zuvor.

Der Mann wirkt ausgeglichen, spricht charmant, sogar sein verschmitztes Lächeln ist wieder da. Was er tut, macht ihm sichtlich Spaß. Überzeugend präsentiert Vorstandssprecher Josef Ackermann in diesen Tagen seine Bank, die er seit mehr als drei Jahren leitet. "Wir sind außerordentlich gut unterwegs und stolz auf das, was wir erreicht haben", sagt Ackermann. Trotzdem: Die Bank habe erst "etwa die Hälfte des Weges geschafft". Ein diskretes Signal: Er will weitermachen, was auch immer die Leute über seine Zukunft reden.


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Es wird viel geredet. Am 20. Oktober verhandelt der Bundesgerichtshof das Mannesmann-Verfahren. Schlimmstenfalls droht sogar die Neuauflage des Prozesses wegen schwerer Untreue. Doch die Zeiten haben sich verändert. Ackermann, vor wenigen Monaten die Inkarnation des gierigen Kapitalisten und auch intern heftig umstritten, ist es gelungen, die Bank trotz aller Turbulenzen immer stärker auf sich zuzuschneiden. Heute ist er der mächtigste Vorstandssprecher, den die Deutsche Bank je hatte. Er hat das Institut stärker verändert als jeder seiner Vorgänger - auch seine Kultur. Unter ihm wurde die Deutsche Bank effizienter und internationaler, aber auch kühler und rationaler.

Vertragsverlängerung. Trotz eines drohenden Prozesses gilt der 57-Jährige jetzt wieder als der, der er zum Amtsantritt einmal war: als Hoffnungs- und Sympathieträger. Der Aufsichtsrat wird Ackermann auf seiner Sitzung in den letzten Januartagen des nächsten Jahres in den Frankfurter Zwillingstürmen einen neuen Fünfjahresvertrag bis Ende 2011 anbieten, heißt es in der Bank. Ein Alternativkandidat ist nicht in Sicht. Die jüngsten Erfolge stärken die Position Ackermanns zusätzlich.

Die Deutsche Bank ist inzwischen die größte Investmentbank der Welt, hat gerade das umfangreichste Restrukturierungsprogramm ihrer Geschichte hinter sich und arbeitet so profitabel wie seit dem Boomjahr 2000 nicht mehr. Rückenwind erhält Ackermann von der anziehenden Branchenkonjunktur - vor allem im Investmentbanking. In diesem Jahr wird er, so die aktuellen Signale aus der Finanzabteilung, endlich die angestrebte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern erreichen. Damit übertrumpft das Institut die meisten Konkurrenten. Nur die UBS aus der Schweiz und die US-Großbank Citigroup arbeiten noch profitabler. "Es wäre ein taktischer Fehler, würde sein Vertrag nicht verlängert", sagt Wolfgang Gerke, Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg und intimer Kenner des Hauses.

Fortsetzung:

 http://www.capital.de/polunt/art/267709.html

 

 

 

20.10.05 14:41

7336 Postings, 7202 Tage 54reab Ein Mann ackert für Deutschland -

ist wohl ein witz. er arbeitet für die deutsche bank und nicht für deutschland. da sehe ich erhebliche unterschiede. er wird von seiner firma für sein "ackern" reichlich entlohnt. desweiteren haben wir in unserer demokratie gewaltenteilung. wenn die staatsanwaltschaft tätig wird, kann man das wohl nicht mit "ackern für achermann" verbieten.

mfg 54reab  

20.10.05 15:29
1

5173 Postings, 6403 Tage Klaus_DieterQuantas

Sehr schöner Bericht!

Danke, dass Du ihn hier reingestellt hast.

Der Redakteur beherrscht sein Handwerk, stellt den Mann, mit sehr guten Recherchen dar, wirf Fragen auf, regt uns alle zum Nachdenken an.

Vermute, die hier vor mir so plump daherreden, haben den Bericht gar nicht zu ende gelesen, oder sich überhaupt Gedanken gemacht.

Oder könnten Sie durch die Deutsche Mentalität, dass Geld und Erfolg was Schlechtes ist, schon so verblendet sein?  

20.10.05 15:36

10041 Postings, 7404 Tage BeMiJo, Klaus-Dieter,

reden können sie alle schön
wie die Spitzenpolitiker,
aber handeln?  

20.10.05 15:49

2683 Postings, 6943 Tage Müder JoeEs gab schon mehrere, die für Dtld geackert

haben, z. B. Kaiser Wilhelm oder Adolf H.

Irgendwie wurden sie immer mißverstanden, so wie auch unsere ökonomische Elite heute.

Das Fazit von allen war: wenn es nicht klappt, dann ist der Volkskörper schuld, aber nicht wir.

*ggg* (oder auch nicht, ist eher zum Heulen)

Ich bitte hiermit alle darum, heute abend den Teil 2 anzusehen von "Der Untergang".

Die mentalen Parallelen sind erschreckend.  

20.10.05 15:55

21799 Postings, 8335 Tage Karlchen_IIst doch alles Blödsinn.

Der Gute arbeitet wie jeder vernünftige Mensch in erster Linie auf eigene Rechnung - weniger für seine Firma und erst recht nicht für das Land, in dem seine Firma ansässig ist.  

20.10.05 16:03

5173 Postings, 6403 Tage Klaus_Dietermmmh für Deutschland??

Mhhh wie kommt Ihr jetzt alle auf diese "arbeitet für Deutschland"?
Klar ist die Überschrift, das Thema, aber war das auch in diesem Zeitungsbericht?

Mich hat diese Überschrift eben neugierig gemacht, und das sollte sie wohl in erster Linie. Jetzt können wir lange diskutieren, ob er nicht doch ein Vorreiter für einen Wertewandel sein könnte!?

Unser Sozialstadt ist sehr komfortabel für einige. Es ist sicherilch eine Errungenschaft, die fast keiner mehr missen möchte. Es ist notwendig auch denen, die aus welchen Gründen auch immer, selber nicht die materiellen Mittel erwirtschaften können in unserem Staat, ein menschenwürdiges Leben zu ermöglich. Das ist keine Frage, das ist für einen normalen, reflektieren Menschen eine Selbstverständlichkeit und sollte es sein! Das hat nichts mit "mildtätigen Gaben" oder religiösen Motiven zu tun, so sollte es sein.

ABER, es muss irgendwie erwirtschaftet werden. Es kann nicht verteilt, an andere gegeben werden, was nicht erst mal verdient wurde!

Und Deutschland ist keine Insel im weltweiten Wirtschaftgeflecht und Wettbewerb!!!!  

20.10.05 16:16
1

129861 Postings, 6887 Tage kiiwiida sach ich mal

Joe Ackermann arbeitet für  

sich,

die Deutsche Bank

und für das Land (die Länder),
das (die) von ihm und seinem Arbeitgeber Steuern einnimmt (einnehmen) -

und zwar genau in dieser Reihenfolge.


Auch wenn ich mit seiner Politik nicht einverstanden bin, so muß ich doch anerkennen, daß seine Arbeit höchst profitabel ist.

Und daß er deshalb möglicherweise die 11 oder 13 Mio € p.a. auch verdient.


P.S. Zu Kohl:
Er hat über 2 Mio DM nicht Auskunft gegeben, woher die stammen. Er hat als Ehrenmann bis heute sein Ehrenwort gehalten, trotz aller Pressionen. Ins Gefängnis gehört er deshalb sicher nicht. Wieviel Staats-Geld haben Schröder und Eichel in Russland vernichtet ?


Btw.:  2 mio DM ist der Betrag, den Joe persönlich pro Monat verdient.



MfG
kiiwii
 

20.10.05 16:34

Clubmitglied, 48508 Postings, 8050 Tage vega2000Klingt nach einer Überdosis CDU

Einen Ehrenmann darf ruhig mal 2 Mio. ohne Konsequenzen unerklärt im Raum stehen lassen nur weil er sein Ehrenwort gegeben hat?

Versuch das doch einmal bei deinem Finanzamt: "Ich habe 2 Mio. Einkünfte, darf aber nicht verraten von wem. Ich gebe ihnen aber mein Ehrenwort das ich das Geld für ehrliche Arbeit erhalten habe."

Mal sehen wie lange es dauert bis es bei dir an der Haustür klingelt, kiiwii.  

20.10.05 16:42
1

129861 Postings, 6887 Tage kiiwiidas Finanzamt interessiert hier mal gar nicht

Aber:
Wenn ich ein Ehrenwort gebe, muß ich auch bereit sein, die Konsequenzen zu tragen...


MfG
kiiwii
 

20.10.05 16:45

Clubmitglied, 48508 Postings, 8050 Tage vega20001 & 2

1. Woher weißt du das mit dem Finanzamt? (Vielleicht waren die 2 Mio. Schwarzgeld)

2. Konsequenzen ja, aber die gab es meines Wissens nicht.  

20.10.05 16:56

129861 Postings, 6887 Tage kiiwii20

besser: das Finanzamt interessiert "mich" hier mal gar nicht.
Es geht ums Ehrenwort.
Wenn das Finanzamt fragt, erhält es selbstverständlich Auskunft.
Wird hier nicht anders gewesen sein...

Über (steuerliche) Konsequenzen im Fall "Kohl/Spenden" weiß ich nichts... sry

Weiß nur, daß es weitere Spender gegeben haben soll, die ihm geholfen haben sollen, die der Partei von Thierse auferlegte Buße zu bezahlen, und daß Kohl dafür sogar noch sein Privathaus in Oggersheim hypothekarisch belastet haben soll...

...nur daß halt immer noch keiner weiß, woher die ursprünglichen 2 mio DM gekommen sind... weil: "Ehrenwort"!


MfG
kiiwii  

20.10.05 17:32

8451 Postings, 6709 Tage KnappschaftskassenKeine Leichen mehr im Keller

Vor nunmehr fast zehn Jahren saß eine erlesene Schar international renommierter Wirtschaftshistoriker auf der Frankfurter Chefetage der Deutschen Bank zum Essen zusammen, als eine neue Epoche der Unternehmensgeschichtsschreibung anbrach. Vor der eindrucksvollen Kulisse von Meisterwerken des deutschen Expressionismus machte Vorstandssprecher Hilmar Kopper den anwesenden Autoren und Beratern einer neuen Firmengeschichte noch vor dem Hauptgang klar, was er von ihrem Werk erwartete: keine Festschrift alten Stils, sondern ein kritisches, hohen wissenschaftlichen Ansprüchen genügendes Stück historischer Unternehmensforschung. Sein Blick traf dabei Harold James, wohl um zu unterstreichen, daß dies gerade auch und vor allem für die Zeit des "Dritten Reiches" gelten sollte, für die der Brite zuständig war. Es ging nicht um peanuts. Vielmehr sollten die sprichwörtlichen Leichen der Vergangenheit endlich aus dem Keller. Bei den Anwesenden rannte Kopper offene Türen ein, und doch gab er das Signal für eine Wende - lange bevor sich deutsche global players zwangsläufig mit den Untiefen ihrer Geschichte befassen mußten.

James hat sich die Rede Koppers offenbar sehr zu Herzen genommen. Schon sein Beitrag für das seit 1995 stilbildende Werk "Die Deutsche Bank 1870-1995" ließ kaum noch Wünsche offen. Vor zwei Jahren schob er einen Band zur Rolle der Deutschen Bank bei der "Arisierung" jüdischen Eigentums nach. Jetzt hat der in Princeton lehrende Wirtschaftshistoriker seinen ursprünglichen Beitrag zu einer Monographie erweitert. Während weite Strecken der früheren Darstellung unverändert blieben, hat James in einem neuen Kapitel die Ausgangslage der Bank und des deutschen Bankwesens seit der Weltwirtschaftskrise vorangestellt. Als einer der besten Kenner der deutschen Bankenkrise von 1931 arbeitet er darin die Sonderrolle der Deutschen Bank heraus, der es im Gegensatz zu ihrer großen Rivalin, der Dresdner Bank, gelang, Selbständigkeit und Unabhängigkeit zu bewahren. Dies sollte nach 1933 nicht ohne Folgen bleiben, erlaubte es ihr doch einerseits mehr Distanz gegenüber dem Regime, schwächte aber andererseits ihre Wettbewerbsfähigkeit auf einem Markt, der weitgehend von staatlichen Vorgaben und politischer Willkür geprägt war.

Im übrigen wurde die bewährte Gliederung beibehalten. Hatte James schon vor zehn Jahren die Rolle der Deutschen Bank im "deutschen Kolonialismus" und der "Neuen Ordnung" Europas analysiert, erweitert er gerade hier die Perspektive, indem er die Slowakei und Polen einbezieht. Andere Themenfelder wie die nationalsozialistische Durchdringung des österreichischen und tschechischen Finanzwesens werden jetzt gründlicher behandelt. Neu aufgenommen sind auch eher modische Themen wie der Umgang mit jüdischen Bankkonten (an denen man sich nicht bereichert hat) und Zwangsarbeitern (deren Ersparnisse man bis 1944 in die Heimatländer transferierte).

Die Großbanken, zumal die Deutsche Bank, zählten nicht zu den Wunschpartnern des Regimes - wurden aber schließlich doch zu unentbehrlichen Stützen seines brutalen Expansionskurses. Im Zeichen staatlicher planification für Rüstung und Autarkie schienen Großbanken weitgehend entbehrlich. Nützlich waren ihre Erfahrungen und Techniken wirtschaftlicher Kontrolle und Herrschaft dagegen seit 1938 für die reibungslose Durchsetzung deutscher Interessen im Herrschaftsbereich jenseits der Grenzen. Warum die Deutsche Bank und ihr Sprecher Hermann Josef Abs bei aller Distanz zum Regime diese Funktion klaglos erfüllten, steht daher für James mit Recht im Mittelpunkt des Interesses.

Die Antwort fällt zwiespältig aus. James hält es angesichts der Schärfe des Angriffs und des Fanatismus des Regimes einerseits nicht für erstaunlich, daß die führenden Vertreter der Bank nur zu defensiven, den Schaden begrenzenden Antworten fanden. Bankiers sucht man unter Widerstandskämpfern vergeblich - und auch Abs weigerte sich beharrlich, ins Heldenfach zu wechseln.(unter anderem die unrühmliche Beteiligung des hoch angesehenen Hermann Abs, der während der Nazizeit an dem florierenden Handel gut verdiente und nach Kriegsende weiter existierende Goldbestände bis zu seinem Tod verschwieg ). Bankiers waren aber andererseits - wie andere Unternehmer auch - Opportunisten, wenn es darum ging, wirtschaftliche Vorteile zu erlangen und sich gegen ihre Konkurrenten zu behaupten. Hier waren der Deutschen Bank freilich Grenzen gesetzt, weil sie im Rennen um die beste Ausgangsposition in den von Deutschland beherrschten Nachbarstaaten oft ins Hintertreffen geriet. Gegenüber regimenahen Konkurrenten wie der Dresdner Bank hatte sie zumeist die schlechteren Karten.

 

 

 

 


 

 

20.10.05 17:42

954 Postings, 6790 Tage kater123Wer sagt denn,

vorausgesetzt der Ehrenwortsch... kann überhaupt ernstgenommen werden, dass ein Ehrenwort gegeben wurde? Ist nicht alles toller, schlimmer?  

20.10.05 17:55
1

10041 Postings, 7404 Tage BeMiSo geht es nicht, Herr Ackermann

manager-magazin.de, 08.02.2005, 10:11 Uhr
http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,340611,00.html

DEUTSCHE BANK

So geht es nicht, Herr Ackermann!

Von Hartmut Fischer

Eine Gesellschaft befindet sich im Umbruch - Einschnitte in das soziale Gefüge sind dabei unvermeidlich. Doch das bedeutet nicht, dass sich die Unternehmen aus der sozialen Verantwortung stehlen dürfen - wie es die Deutsche Bank derzeit demonstriert.

Das Jahr 2004 war für die Deutsche Bank ein unbestritten erfolgreiches Jahr. Der Gewinn des Unternehmens steigerte sich vor Steuern auf 4,1 Milliarden Euro. Nach Steuern verbuchte die Bank eine Gewinnsteigerung von rund 87 Prozent. 2,5 Milliarden Euro blieben an Gewinn. Die Aktionäre dürfen nun mit einer höheren Dividende rechnen: Diese soll von 1,50 auf 1,70 Euro angehoben werden.

© REUTERS
Guter Dinge: Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank
Dennoch war die Bilanzpressekonferenz alles andere als ein guter Tag für die Deutsche Bank. Denn trotz Rekordgewinn und voller Kasse gab Vorstandschef Ackermann bekannt, dass man weiter Stellen abbauen werde. Er sprach von "netto 5200 Stellen". Davon gehen 1920 Stellen in Deutschland verloren. Mit dieser Vorgabe hat sich die Deutsche Bank als unfähig erwiesen, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden.

Gewinne erwirtschaftet nicht nur das Management

An den Erfolgen eines Unternehmens hat ein gut funktionierendes Management einen hohen Anteil. Doch die Herren Topmanager sind es nicht allein, die die Gewinne erwirtschaften - alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben hieran ihren Anteil. Dass die Gewinne derart gestiegen sind, kann nicht nur mit Rationalisierungsmaßnahmen begründet werden.

Während in den Manageretagen der Erfolg an Hand von Prämien deutlich wird, bleibt den unteren Rängen oft nur noch die Hoffnung, durch gute Arbeit zumindest den eigenen Arbeitsplatz zu sichern. Doch nun erfahren sie, dass dies alles nicht zählt. Sicher stimmt es, dass man Mitarbeiter nicht motivieren kann - das müssen sie selber tun. Aber man kann sie durchaus demotivieren. Diese Demotivation kann aber zu einer nicht wieder gut zu machenden Schädigung des Unternehmens führen.

Ludwig Erhard hätte Einspruch angemeldet

Der Vater der sozialen Marktwirtschaft, Ludwig Erhard, würde das Verhalten der Deutschen Bank sicher nicht für gut befinden. Er verband in der sozialen Marktwirtschaft die Freiheit des Marktes mit dem sozialen Ausgleich. Seine Maxime führte seinerzeit zu dem, was wir gerne "Wirtschaftswunder" nennen. Aus den Trümmern einer am Boden liegenden Nation erwuchs ein zufriedenes und reiches Volk mit "Wohlstand für alle".

Die Ausgangssituation ist heute ungleich besser als zu Beginn der Erhard-Ära. Dennoch stehen wir vor Herausforderungen, bei denen es nicht falsch ist, an den "Mann mit der Zigarre" zu denken. Die demografische Entwicklung und die Globalisierung der Weltmärkte sind nur zwei Eckpunkte, die verdeutlichen, dass wir an Zäsuren, die von allen getragen werden müssen, nicht vorbeikommen.

Eine Arbeitslosenzahl von 5 (laut Statistik) bis 6,5 Millionen (wahrscheinlich realistischer Wert) ist nicht hinnehmbar und muss bekämpft werden.

Ludwig Erhard hat immer die These vertreten, dass soziale Marktwirtschaft nicht mit einem Versorgungsstaat verwechselt werden dürfe. Seine These lautete, dass die beste Sozialpolitik eine gute Wirtschaftspolitik sei.

Abschied von der sozialen Marktwirtschaft

Er allein konnte den Beweis seiner Thesen nicht antreten. Doch seinerzeit engagierten sich auch die Unternehmen, denen es wirtschaftlich gut ging, sozial gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Man hatte erkannt, dass nur zufriedene Mitarbeiter auch gute Mitarbeiter sein können.

Natürlich war es keine heile Welt, in der es keine Konflikte gab. Die Auseinandersetzungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden gehörten auch zu dieser Zeit. Aber es war doch kein Zufall, dass auch damals die Bundesrepublik ein Land war, das von anderen wegen seiner geringen Streikquote beneidet wurde.

Das Verhalten der Deutschen Bank stellt den Abschied von Ludwig Erhards sozialer Marktwirtschaft dar. Das von Ackermann anvisierte Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent ist sicher legitim. Aber es kann nicht angehen, dass solche Ziele um jeden Preis erreicht werden sollen.

Die Eigenkapitalrendite spiegelt wider, wie viel Prozent Gewinn auf das eingesetzte Eigenkapital entfallen. Es wird also die Verzinsung des Eigenkapitals angegeben. Die Deutsche Bank kann derzeit einen Wert von 16,7 Prozent (vor Steuern) verbuchen.

Rüdes Verhalten torpediert sachliche Diskussion

Welchen Schaden Ackermann und Co. anrichten, ist noch nicht abzusehen. Sicher ist aber, dieser geht weit über den Abbau von Stellen hinaus. Das rüde Verhalten der Deutsche-Bank-Manager macht es der Politik nachgerade unmöglich, eine sachliche Diskussion über Änderungen beim Kündigungsschutz zu führen.

Ein gelockerter Kündigungsschutz ist nur dann zu verantworten, wenn die Unternehmen ihrer Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft nachkommen und diesen dann nicht missbrauchen. Die Deutsche Bank aber schürt in diesen Tagen den Verdacht, dass genau dies geschehen könnte.

Gleichzeitig werden neue Forderungen der Wirtschaft - so berechtigt sie auch in vielen Punkten sind - ad absurdum geführt. Man kann die Politik nicht für die Arbeitslosigkeit verantwortlich machen und ihr eine verfehlte Wirtschaftspolitik vorwerfen, wenn gleichzeitig gesunde Unternehmen über die Maßen entlassen.

Protest hagelt es von allen Seiten

Glücklicherweise handelt es sich hier nicht um einen "Fall Deutsche Wirtschaft", sondern um einen "Fall Deutsche Bank". Dies zeigt auch, dass der Protest gegen die Vorgehensweise der Bank über alle Grenzen von Parteien und Interessenverbänden hinausgeht.

So hat der Präsident der Deutschen Industrie (BDI) Jürgen Thumann das Verhalten der Deutschen Bank öffentlich gerügt. Er sagte in aller Deutlichkeit: "Wir können als Unternehmer nicht immer nur über maximale Eigenkapitalverzinsung reden und uns am Ende noch mit Extra-Boni belohnen lassen, wenn wir möglichst viele Menschen entlassen. So können wir uns nicht aufstellen."

In die gleiche Richtung gehen die Äußerungen von Wolf Rosenthal, der als Vorstandschef des Verbandes der PSD Banken insgesamt 15 selbstständige Genossenschaftsbanken vertritt. Rosenthal wurde noch deutlicher in seinen Aussagen und bezeichnete die von der Deutschen Bank gesetzten Prioritäten als "erschreckend". Rosenthal forderte: "Man sollte endlich davon wegkommen, die Deutsche Bank in Deutschland als Vorbild und Maßstab für die gesamte Branche anzusehen."

Auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) geht auf Distanz zur Deutschen Bank. Die Sprecherin der Gemeinschaft, Reinhild Keitel, nannte das Bankverhalten "außerordentlich unbefriedigend". Sie forderte, dass man besser darüber nachdenken solle, wie man Geschäftsfelder sinnvoll erweitern könne und nicht den Personalabbau im großen Stil vorantreiben.

Der CDU-Spitzenkandidat in Schleswig-Holstein, Harry Carstensen, äußerte sich ebenfalls kritisch zur Entscheidung der Deutschen Bank. Er freue sich über deren Gewinn, doch die Bank habe auch eine Verantwortung für den Standort Deutschland. Diese Verantwortung müsse sich in ihrer Personalpolitik widerspiegeln.

Nicht aus der Verantwortung stehlen

In der jüngsten Vergangenheit wurde den deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern einiges zugemutet. In anderen Ländern hätte der soziale Umbau ganz sicher zu schweren Streikwellen geführt. Doch die Männer und Frauen in den Betrieben haben - wenn auch zähneknirschend - die Notwendigkeiten eingesehen und ihren Anteil geschultert.

Auf dieser Basis kann sich die Wirtschaft nicht aus der Verantwortung stehlen. Hier muss man der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Ursula Engelen-Kefer Recht geben, wenn sie festhält, dass das Verhalten der Deutschen Bank weiter bestehende Ängste schürt und Gift für die Binnennachfrage ist.

© mm.de
Hartmut Fischer
Natürlich kann man die Deutsche Bank jetzt nicht zum Sündenbock für die wirtschaftliche Situation in Deutschland machen. Aber sie trägt einen entscheidenden Anteil dazu bei, dass die Bevölkerung immer mehr das Gefühl bekommt, dass nur vom so genannten "kleinen Mann" verlangt wird, dass er seine Hausaufgaben macht.

 

20.10.05 18:21

15830 Postings, 6381 Tage quantasBeMi


Die Schweizer Banken hatten auch tausende entlassen.
Nur machten sie es früher als die deutsche Bank.
Gut ist die deutsche Bank dem Beispiel der Schweizer
Grossbanken gefolgt, sonst wären es jetzt tausende mehr
und der Aktienkurs im Keller.
und wer weiss, hätte dann vielleicht ein weisser
Ritter kommen müssen.

salute quantas  

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