Alstom-Aktie könnte hoher Bewertung weiter trotzen / FAZ 25.4.07
Maschinenbau
Ein beeindruckendes Comeback hat der Kurs der Aktie des französischen Anlagenbauers Alstom in den vergangenen Jahren genommen. Mitte 2001 war die Notiz von rund 635 Euro bis auf rund 200 Euro gefallen, nachdem sich ankündigte, dass aufgrund von technischen Probleme mit Großturbinen, die Umsätze des Unternehmens nachgeben und das Ergebnis ins Minus rutschen würde. Im Endeffekt rissen dann Managementfehler und der Konkurs des Kreuzfahrt-Unternehmens Renaissance Cruises, das acht Schiffe erhalten hatte, den Konzern fast in die Tiefe und den Aktienkurs im Jahr 2004 auf ein Tief von 12,80 Euro zu Boden.
Zwischen Privat- und Staatseigentum Alstom verkaufte daraufhin Unternehmensbereiche, entließ über 11.000 Beschäftigte, schuldete um und erhöhte das Kapital - nicht zuletzt im Zuge einer viel kritisierten Rettungsaktion des französischen Staates, der dadurch mit 21,14 Prozent größter Aktionär wurde - nachdem das Unternehmen erst wenige Jahre zuvor privatisiert worden war. Im Juni 2006 verkaufte Frankreich seinen Anteil dann an den einheimischen Mischkonzern Bouygues, der diesen mittlerweile auf 24 Prozent aufgestockt hat. Seit dem Tief im Jahr 2004 hat sich der Kurs der Aktie mittlerweile auf 107,41 Euro erholt und notiert damit so hoch wie seit dem Jahr 2002 nicht mehr. Grund dafür ist eine deutliche Erholung der Fundamentaldaten. Zwar ist der Umsatz bis einschließlich des Geschäftsjahres 2004/2005 geschrumpft, dies war indes ein Resultat der Umstrukturierung. Indes konnten die Verluste deutlich verringert werden, so dass im Geschäftsjahr 2005/2006, das am 31. März des vergangenen Jahres endete, endlich wieder ein Gewinn von 181 Millionen Euro bei einem um knapp vier Prozent höheren Umsatz von 13,4 Milliarden Euro zu Buche stand.
Dynamischer Auftragseingang Im vor wenigen Wochen abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/2007 hat sich die günstige Entwicklung fortgesetzt. Der Umsatz kletterte gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um rund zehn Prozent auf zehn Milliarden Euro. Angaben über Gewinne wurden zu diesem Zeitpunkt wie in Frankreich üblich nicht gemacht, indes stand zum Halbjahr ein Gewinn von 218 Millionen Euro zu Buche, der damit um 20 Prozent über dem des vorangegangenen Gesamtjahres und um 56 Prozent über dem des Vorjahreszeitraums lag. Vor allem aber entwickelte sich der Auftragseingang sehr dynamisch. Schon zum Halbjahr betrug das Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum 46 Prozent auf 9,67 Milliarden Euro. Nicht ganz so groß nimmt sich das Plus nach neun Monaten aus, wobei dies aber auch an einem sehr starken dritten Quartal im Vorjahr lag. Doch mit 34 Prozent fällt das Plus bei 14,35 Milliarden Euro doch recht beachtlich aus.
Einige Erwartungen eingepreist Am Mittwoch legt der Aktienkurs um fast sechs Prozent zu. Grund ist eine Studie der Investmentbank Morgan Stanley, wonach Alstom davon profitieren könnte, dass eine Reihe europäischer Versorger Hinweise auf Kapazitätsknappheiten im Kraftwerksbau gegeben hätten, die sich für die Anlagenbauer in deutlichen Preissteigerungen niederschlagen könnten. Analyst Ben Uglow hat daraufhin die Einstufung von gleich- auf übergewichten geändert und das Kursziel von 87 auf 130 Euro heraufgesetzt. Nichtsdestoweniger sind im Kurs eine Menge Erwartungen bereits eingepreist. So wird das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das zu Ende gegangene Geschäftsjahr auf 21,5 und für das gerade angelaufene Geschäftsjahr auf 18,4 geschätzt. Das ist zwar noch nicht exorbitant teuer, doch wird eine weiter gute Entwicklung vorausgesetzt. Und ob sich der Auftragseingang allein angesichts von zunehmenden Basiseffekten weiter so dynamischen entwickeln kann, ist nicht unbedingt ausgemacht. Charttechnisch hat die Aktie aufgrund des heftigen Absturzes vor Jahren keine nennenswerten charttechnischen Widerstände vor sich.
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