Zu den Naneva Verkäufen: Ich halte es für ausgeschlossen, dass es sich hier um ein Rebalancing handelt. Kontron macht 0,14% von PPF aus und ist daher eine Minimalstbeteilgung. Da gibt es nichts zu auszubalancieren. Was wir wissen ist, dass HN öffentlich erklärt hat, Naneva werde nachkaufen, um damit den Kurs zu treiben. Tatsächlich hat Naneva jedoch einen extrem aggressiven Verkauf über die Börse gewählt, was den Kurs belastet.
Zur Q4 EBITDA-Marge in Software & Solutions: Die dürfte daran liegen, dass man den Bereichsleiter Solar gefeuert hat, weil die Fortschritte bei der Integration von Kontron Software und Katek Solar Hardware (HEMS) weit hinter der Integration von Kontron Software und Katek Wallboxen herhinkt. Ich denke man wird hier Abfindung zahlen müssen und ggfs. Restrutuierungskosten, um den Aufbau der Software/Hardware-Integration neu zu starten mit neuem Manager. Vielleicht könnte das auch in Q1 nochmal ein paar Sonderkosten verursachen. Aber was den rein operativen Teil des Geschäfts angeht, ist die Kommunikation ja weiterhin, dass man da bei einer schwarzen Null ist. Ich denke daher, dass die niedrige Q4 Marge von S&S im wesentlichen ein Einmaleffekt aus dem Bereich Solar ist.
Zu M&A in 2025: Dass keine größeren Käufe geplant sind, ist nicht neu oder verändert. Da die Kontron Aktie momentan mit niedrigeren Multiples bewertet ist als die Assets, aus denen sie besteht, ist der kommunizierte Plan nicht-Kern Aktivitäten (IT Solutions und Teile der EMS Produktion) zu verkaufen und mit den Erlösen eigene Aktien zu kaufen.
Zu den geplanten Verkäufen: Meine Vermutung ist, dass gebündelter Verkauf der verbleibenden IT Solutions Aktivitäten zu schwierig war. Es handelt sich ja um Gesellschaften in unterschiedlichen Ländern. Zudem sind die verbliebenen Gesellschaften schrumpfend im Umsatz und waren Restrukturierungsfälle (deshalb wollte Vinci sie damals nicht übernehmen). Sie werden daher vermutlich jede Gesellschaft einzeln lokal verkaufen. Was den möglichen EMS Verkauf angeht: Die Branche hat es sehr schwer im Moment (siehe Fortec oder die Blue Cap Beteiligung Hy-Line). Ich denke, man will das nicht verramschen und wartet daher wahrscheinlich auf erste Zeichen einer Nachfragebelebung. Das würde es für potenzielle Käufer attraktiver machen, mit Katek EMS zusätzliche Kapazität zu erwerben.
Zur Katek-Übernahme: in meinen Augen ist es zu früh, das abschließend zu beurteilen. Katek war nicht sehr teuer. Was klar ist, ist, dass Kontron sowohl bei Solar als auch bei E-mobility dann kurz nach dem Kauf extremer Gegenwind aufkam. Mit der Folge, dass das Solargeschäft extrem schwach ist und die Wallboxen sich derzeit deutlich schlechter verkaufen als ursprünglich geplant. Allerdings: Bei Emobility werden die Verkäufe auch wieder anziehen und man macht mit den Wallboxen gutes Geld. Auch Solar sollte früher oder später zurückkommen.
Der wirkliche Kaufgrund aber war ja ohnehin nicht, mit dieser Hardware an sich Geld zu verdienen. Sondern eben mit der Kombination von Hardware und Software. Bei den Wallboxen hat man hier den ersten erfolgreichen Schritt gemacht. Aber da werden ja weitere Schritte folgen (z.B. bidirektionales Laden und Integration der Wallbox mit HEMS). Bei Solar ist man mit der Integration der Software hintendran und jetzt soll ein neues Management die Entwicklung beschleunigen.
Ich will das alles nicht schönreden: es ruckelt in der Entwicklung. Allerdings bin ich gerne in ein Unternehmen investiert, das proaktiv die Technologien der Zukunft entwickelt, auch wenn die aktuelle Nachfrage schwach ist. Wir werden in 3-4 Jahren sehen, wo Kontron dann mit Solar, HEMS und Wallboxen steht. Die Logik der Übernahme ist in meinen Augen weiterhin voll intakt, auch wenn es zugegebener Maßen etwas beschwerlicher ist, als ursprünglich angenommen.
Generell zur Aktie: Ich habe um 22€ nochmal nachgekauft. Das, was technologisch momentan im stark wachsenden S&S Bereich läuft, ist in meinen Augen nur ein Vorgeplänkel. Die wirklichen Wachstumsschübe dürfte hier 2028-2032 bevorstehen. Im Bahnbereich ist FRMCS noch weit, weit entfernt von der praktischen Anwendbarkeit. Hier stehen noch nichtmal die technischen Standards voll. Vor 2028 wird da sehr wenig passieren. Bestenfalls werden ein paar neue Strecken "FRMCS-ready" gebaut. Aber die richtig großen Volumen einer Umstellung der Bestandsstrecken auf FRMCS wird in meinen Augen erst 2030-2050 passieren. Hier ist enormes weiteres Wachstum vorprogrammiert, was weit, weit über die aktuellen Auftragsvolumina hinaus gehen dürfte -- jedenfalls dann, wenn 5G flächendeckend ausgerollt wird wie geplant. In Deutschland ist das Budget durch den Sonderfonds dafür da, aber es wird dauern bis der Zug voll ins Rollen kommt.
Auch im Militärbereich wird das alles dauern, bis die enormen Budgeterhöhungen in Europa sich in konkreten Aufträgen widerspiegeln. Defense ist ein sehr schwerfälliger Bereich. Da warten aber allein in Deutschland 500 Mrd. darauf ausgegeben zu werden. Natürlich wird das Kontron sehr helfen bei der hohen Marge, die man hier verdient. Es ist hier ähnlich wie im Zugbereich: Kontron wächst in Defense extrem stark mit hohen Margen auch ohne, dass die Erhöhung der staatlichen Gelder hier ankommen. Es ist leicht sich auszumalen, was passiert, wenn hier noch zusätzlich mit dem staatlichen Füllhorn gegossen wird.
Schlussendlich: auch die Module für Automotive und Züge stehen noch ganz am Anfang. Es werden perspektivisch alle Autos und Züge voll vernetzt sein, was einen explosiven Bedarf an Kontron Produkten erzeugen sollte (jedenfalls dann, wenn Qualcomm sich hier technologisch durchsetzt). Kontron schätzt das Potenzial hier bei 1 Mrd. Wird das schnell passieren? Nein. Aber 2028-2030 dürfte da bereits einiges passieren.
Natürlich kann auch immer alles mögliche schiefgehen. Qualcomm könnte bei V2X Automotive nicht wie erwartet zum neuen Standard werden. Die Bahnen könnten sich entscheiden, den 5G Rollout doch nicht mit spezifischem Zugfunk zu machen, sondern über normale Mobilfunknetze. Im Militärbereich könnte die Trump-Regierung Kontron ausbremsen um lokale Lieferanten zu bevorzugen. Niemand steckt da drin. Allerdings hat Kontron in meinen Augen aktuell wirklich eine ganze Handvoll extrem dicker Eisen im Feuer (über Kontron OS recurring services habe ich noch nichtmal gesprochen).
Selbst, wenn nur zwei von vier Treibern voll durchschlagen, sollte das sehr profitabel sein. Man ist eben nicht mehr nur der langweilige Elektroniklieferant für kleine Plastikbildschirme. Im Gegenteil, man ist ein integrierter innovativer Anbieter, der super auf die Zukunft vorbereitet ist. Und das mit KGV unter 13. Wie viele Wallboxen oder Wechselrichter sie 2025 verkaufen oder ob da irgendwo nochmal begrenzte Restrukturierungskosten entstehen, ist in meinen Augen da nebensächlich. Ich stelle mich jedenfalls auf eine lange Haltedauer ein, bis das Unternehmen irgendwann von Private Equity von der Börse genommen wird.
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