Buffett rechnet ab
Der Multimilliardär und Großinvestor Warren Buffett hat scharfe Kritik an übertriebenen Manager-Gehältern, dem "betrügerischen" Verhalten von Fondsgesellschaften und an der Steuerpolitik der US-Regierung geübt. "In Amerika wird ein Klassenkrieg geführt, und meine Klasse gewinnt eindeutig", schrieb er am Wochenende.
New York - Börsenlegende Warren Buffett hat am Wochenende harsche Kritik an übertriebenen Manager-Bezügen geübt und Fondsgesellschaften vorgeworfen, ihre Aktionäre zu betrügen. Zugleich schoss er scharf gegen die Steuerpolitik der Regierung von US-Präsident George W. Bush.
[M]AP;mm.de Warren Buffett greift die Vergütungspraxis von Vorstandschefs scharf an Im seinem jährlichen Brief an die Aktionäre seines Holding-Unternehmens Berkshire Hathaway forderte der zweitreichste Mann der Welt Unternehmensvorstände und Fondsgesellschaften zugleich auf, "wirklich unabhängige Chefs" auszusuchen, die sich um die Interessen der Aktionäre kümmerten. Buffetts diesjähriger Aktionärsbrief ist 21 Seiten und mehr als 12.000 Worte lang. Der Investor genießt an den Finanzmärkten große Aufmerksamkeit und gilt als "Orakel von Omaha".
Als die beiden wichtigsten Aufgaben eines Unternehmenschefs nannte Buffett, ehrliche Mitarbeiter einzustellen, die auf angemessene Weise bezahlt würden. Wenn es aber an die Bezahlung der CEOs gehe, scheiterten viele Vorstände. "Bei der Beurteilung, ob es amerikanischen Unternehmen ernst ist, sich zu reformieren, bleiben die CEO-Bezüge eine Nagelprobe. Bis heute sind die Ergebnisse nicht ermutigend", schrieb Buffet.
Mehr zum Thema · Reichste Menschen: Buffett verfolgt Gates (27.02.2004) · NYSE: Grasso soll Millionen zurückzahlen (09.01.2004) Buffet griff auch die Praxis hoher Abfindungen an. Dabei werde oft kein Unterschied gemacht, ob 100.000 oder 500.000 Aktien verteilt würden, schrieb der 73-Jährige, dessen Vermögen auf 42,9 Milliarden Dollar geschätzt wird.
Im Herbst hat die New Yorker Staatsanwaltschaft vier Fondgesellschaften wegen Betrugs an ihren Kunden und illegaler Handelspraktiken durchsuchen lassen. Unternehmenschefs wurden zudem wiederholt für ihre hohen Bezüge kritisiert. Richard Grasso, der Chef der New York Stock Exchange (NYSE), musste im September zurücktreten, nachdem er wegen seiner Bezüge in Höhe von 188 Millionen Dollar massiv unter Druck geraten war.
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Sorge um den Dollar
"Ich halte jetzt nur Volksreden, weil durch die eklatanten Verstöße, die vorgefallen sind, das Vertrauen von vielen Millionen Aktionären missbraucht wurde", hieß es in dem Schreiben Buffetts weiter. "Hunderte von Eingeweihten wussten, was passiert, und niemand hat ein Wort gesagt. Erst mit (dem New Yorker Generalstaatsanwalt) Eliot Spitzer hat das Aufräumen begonnen."
© AP Großansicht Warren Buffett: "In Amerika wird ein Klassenkrieg geführt, und meine Klasse gewinnt eindeutig." Besorgt äußerte sich Buffett mit Blick auf den schwachen Kurs des Dollar. Die Verluste der US-Währung könnten zu einem ernsthaften Problem werden, das weit über die Finanzmärkte hinausginge, hieß es in dem am Wochenende verbreiteten Aktionärsbrief weiter.
"Als Amerikaner hoffe ich, dass ein gutes Ende für dieses Problem gefunden wird", zitierte die US-Ausgabe von Yahoo-Finance aus dem Schreiben. Eigenen Angaben zufolge hielt Berkshire zum Jahresende 2003 offene Devisenkontrakte in fünf Währungen im Gesamtwert von zwölf Milliarden Dollar. Buffet erklärte in diesem Zusammenhang, im Zuge des sich ausweitenden US-Handelsdefizites hätte er im Jahr 2002 begonnen, in ausländische Währungen zu investieren.
"In Amerika wird ein Klassenkrieg geführt"
Zugleich prangerte Buffett die Steuergeschenke der US-Regierung an. Die Administration unter Präsident Bush würde die reichen Amerikaner deutlich stärker entlasten. "In Amerika wird ein Klassenkrieg geführt, und meine Klasse gewinnt eindeutig", schrieb Buffett.
Buffett würde gern mehr Steuern zahlen und rief die restlichen reichen Amerikaner dazu auf, ihm hierbei zu folgen. Letzteres scheint aber nicht der Fall zu sein. Laut Buffett ist die Steuerlast für Berkshire Hathaway zwischen den Jahren 1995 und 2003 um das Elffache auf zuletzt 3,3 Milliarden Dollar gestiegen, während sich die Gewinne seiner Gesellschaft in etwa verzehnfacht hätten. In demselben Zeitraum aber hätten alle US-Unternehmen allerdings durchschnittlich 16 Prozent weniger Steuern bezahlt.
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Berkshire-Gewinn zieht kräftig an
Warren Buffetts Mischkonzern Berkshire Hathaway hat im vergangenen Jahr vor allem dank blendender Erträge im Versicherungsgeschäft den Gewinn auf 8,2 Milliarden Dollar (6,7 Milliarden Euro) verdoppelt. Dies teilte Berkshire Hathaway am Wochenende in seinem Jahresbericht mitgeteilt.
Das in Omaha (US-Staat Nebraska) ansässige Unternehmen, das auch Fertighäuser produziert, eine Pipeline- und Energiefirma betreibt und viele andere Geschäftssparten und Beteiligungen hat, steigerte den Umsatz drastisch auf 59,6 (Vorjahr: 39,4) Milliarden Dollar, da die Gesellschaft im vergangenen Jahr den riesigen Nahrungsmittel-Großhändler McLane übernommen hatte.
Die seit Jahrzehnten von Buffett geführte Firma verfügt auch über riesige Aktienpakete anderer Großkonzerne wie Coca-Cola , American Express und Gillette mit einem Gesamtwert von 35,3 Milliarden Dollar.
Der 73-jährige Buffett liegt nach einer in der jüngsten Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "Forbes" veröffentlichten Liste der reichsten Männer der Welt mit einem Vermögen von 42,9 Milliarden Dollar auf Platz zwei und ist damit ganz dicht an den Spitzenreiter Bill Gates von Microsoft (46,6 Milliarden Dollar) heran gerückt. Buffett hatte aber nicht nur sich selbst reich gemacht, sondern auch die anderen Aktionäre der Gesellschaft.
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