Hier mal der ganze Text:
27.April :
Washington – Eine beachtliche „Who's who“-Liste von Hightech-Unternehmen wird in einem US-Gerichtsverfahren des Betrugs bei Regierungsaufträgen angeklagt. Das Verfahren läuft gegen Hewlett-Packard, Sun Microsystems, Accenture und deren Tochter Proquire. Der Vorwurf lautet auf Betrug und Klüngelei mit dem Ziel, lukrative Regierungsaufträge an Land zu ziehen. Aus dem über 80 Seiten starken Dokument des Justizministeriums geht hervor, dass Millionen Dollar Schmiergelder und Boni geflossen sind, um die Regierung zu umgarnen. Weitere Anklagepunkte sind unter anderem ungerechtfertigte Bereicherung und Vertragsbruch.
Accenture beispielsweise stand bei der Regierung unter Vertrag, um diese bei der Evaluierung und Auswahl neuer Technologie zu unterstützen. Das Beratungshaus erhielt nach Informationen von Wired News vier Millionen Dollar Schmiergelder von Unternehmen, um diese bei der Regierung zu empfehlen. Accenture unterschrieb Marketing- und Preisnachlassabkommen mit einer Reihe von großen amerikanischen Technologiefirmen, so die Anklage. Dazu gehören Acxiom, Cisco, Compaq, Dell, EMC, HP, IBM, JD Edwards, Microsoft, NCR, Oracle, PeopleSoft, SAP, Siebel, Sun, Unisys, BEA, Broadvision, SAS, Seisent, und Vignette.
Das Beratungshaus und dessen Tochter Proquire schienen sich weniger um ihren Kunden zu kümmern als um den eigenen Profit und Umsätze durch Partner. „Als Ergebnis flossen Millionen Dollar Schmiergelder zwischen den Angeklagten, denen ein Verstoß gegen den False Claims Act und weitere Bundesgesetze und Vorschriften vorgeworfen wird“, besagt die Anklageschrift.. Die Absprachen wurden ohne das Wissen der Regierungsunterhändler getroffen, so die Anklage.
Die Angeklagten streiten alle Vorwürfe ab. Accenture-Sprecherin Roxanne Taylor erklärte gegenüber der Businessweek, ihr Unternehmen werde sich energisch verteidigen. „Wir sind der Ansicht, dass wir uns richtig verhalten haben und werden unsere Haltung verteidigen“, sagte sie. Auch HP ist sich keiner Schuld bewusst. „HP ist stolz, ein Partner der Regierung zu sein, und wir sind zuversichtlich, das richtige Geschäftsgebaren zu pflegen. Das werden wir auch beweisen“, erklärte die HP-Sprecherin Emma Wischhusen.
Sun teilte mit, es habe ein längeres Regierungsaudit zu den Verträgen gegeben, doch habe das Unternehmen die Ergebnisse nicht gesehen. „Sun hat in diesem Auditprozess gut kooperiert. Sobald wir Einsicht in die Ergebnisse der Überprüfung hatten, werden wir auf die daraus abgeleiteten Klagen reagieren“, hieß es von Sun.
Verlieren HP, Accenture und Sun den Prozess, könnten sehr hohe Kosten auf die drei zukommen. Das Gesetz erlaubt es der Regierung, die Schadenshöhe dreifach als Entschädigung zu verlangen zusätzlich zu zivilen Strafen. Barbara Gengler/pk
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