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Der USA Bären-Thread

Seite 1 von 6225
neuester Beitrag: 29.09.22 21:01
eröffnet am: 20.02.07 18:45 von: Anti Lemmin. Anzahl Beiträge: 155613
neuester Beitrag: 29.09.22 21:01 von: Anti Lemmin. Leser gesamt: 20942782
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20.02.07 18:45
465

75743 Postings, 6720 Tage Anti LemmingDer USA Bären-Thread

Dies ist ein Thread für mittelfristig orientierte Bären (keine Daytrader), die im Laufe dieses Jahres mit einem stärkeren Rückgang der US-Indizes rechnen - u. a. auf Grund folgender Fundamental-Faktoren:





1.  Zunehmende Probleme im US-Housing-Markt wegen Überkapazitäten, fallender Preise,
    rückläufiger Verkaufszahlen und fauler Hypotheken, vor allem im Subprime-Sektor

2.  Auf Grund dessen mögliche Banken-, Junkbond- und/oder Hedgefonds-Krise
    (HSBC warnte bereits)

3.  Überschuldung der USA im Inland (negative Sparquote, Haushaltsdefizit)
    und im Ausland (Handelsdefizit)

4.  Möglicher weiterer Wertverlust des Dollars zum Euro (zurzeit bereits über 1,30)

5.  Anziehende Inflation wegen Überschuldung und unkontrollierten Geldmengenwachstums

6.  Weitere Zinserhöhungen der Fed zur Inflationsbekämpfung

7.  Rückgang des US-Konsumentenvertrauens und weniger Konsum wegen der
    Liquiditätsrückgänge und drückender Housing-Schulden

8.  Rückabwicklung von Yen-Carry-Trades, weil Japan die Zinsen erhöht
    -> Ende der "globalen Hyperliquidität"

9.  Probleme im Irak, wachsende Kriegsgefahr in Iran/Nahost, Ölpreis-Anstieg

10. Terrorgefahr

11. Überbewertung der US-Aktien (das DOW-JONES KGV für 2006 liegt bei 24,25,
    das des SP-500 bei 19)

12. Aktien-Hausse der letzten vier Jahre verlief ohne nennenswerte Korrekturen
    (untypisch)





Dieser Thread soll meinen inzwischen leider teilweise gelöschten Doomsday-Bären-Thread ersetzen. Außerdem möchte ich in diesem Eingangsposting deutlich machen, dass der Fokus auf USA liegt (der DAX spielt nur am Rande eine Rolle, da die wirtschaftliche Lage hier zu Lande besser ist).

Ich wünsch mir in diesem Thread eine faire, offene und vor allem sachliche Diskussion, möglichst wenig persönliche Querelen, Beleidigungen und sinnlose Hahnenkämpfe. Wer notorisch stört und Unfrieden stiftet oder rassistische Sprüche ablässt, kommt auf die Ignore-Liste (was weitere Postings hier verhindert).
 
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155587 Postings ausgeblendet.

27.09.22 11:28

75743 Postings, 6720 Tage Anti LemmingPfund auf Allzeittief (Tief von 1985 unterboten)

Die neue GB-Regierung von Tussy Truss agiert ähnlich kurzsichtig wie Habeck in Deutschland. Truss will "einen auch Thatcher" machen und senkt trotz Wirtschaftskrise (über 10 % Inflation in GB, Energiepreise gehen durch die Decke) die Steuern für Reiche - siehe SZ-Artikel unten.

Truss bewegt sich damit im debil-demagogischen Fahrwasser eines Ronald Reagan, der seine starke Steuersenkung in den 1980ern damit begründet hatte (Stichwort. "Voodoo-nomics"), dass die Wirtschaft dadurch so starke Impuluse erhielte, dass die Firmen am Ende noch mehr Steuern zahlen würden als ohne diese Steuersenkung. Im Nachhinein erwies sich dies als grottenfalsch. Unter keinem US-Präsidenten ist die US-Staatsverschuldung prozentual stärker angestiegen als unter Reagan.

www.sueddeutsche.de/wirtschaft/...ritannien-steuern-1.5663357

Glaubt man dem britischen Finanzminister Kwasi Kwarteng, dann hat im Vereinigten Königreich "eine neue Ära" begonnen. Und was soll man sagen? Er hat recht. Die neue Regierung ist keine drei Wochen im Amt und hat ihren Platz in den Geschichtsbüchern schon sicher. Mitten in der Energiekrise kündigte Kwarteng die größten Steuersenkungen seit 50 Jahren an, Gesamtvolumen: 45 Milliarden Pfund, also 51 Milliarden Euro. Eine gewaltige Summe. So gewaltig, dass die Finanzmärkte ein vernichtendes Urteil fällten. Und zwar zu Recht.

Der sogenannte "Growth Plan" der britischen Regierung ist eine waghalsige Wette. Die neue Premierministerin Liz Truss will Wachstum um jeden Preis. Ganz egal, was es kostet. Truss riskiert damit, dass die Märkte das Vertrauen in die Regierung verlieren.

Man muss sich noch einmal vor Augen führen, was da am vergangenen Freitag passiert ist. Nachdem Kwarteng das Hilfspaket vorgestellt hatte, fiel der Kurs des britischen Pfunds gegenüber dem US-Dollar auf den tiefsten Stand seit 1985 - am Ende des Tages stand ein Minus von drei Prozent. Mindestens genauso dramatisch war der Anstieg der Rendite zehnjähriger Staatsanleihen: Binnen einer Woche sind sie um 0,7 Prozentpunkte auf 3,8 Prozent gestiegen.

Eine solche Unruhe kennt man am ehesten in Emerging Markets, aber nicht in einer hoch entwickelten Wirtschaft wie der britischen. Nach dem Aus der Regierung von Boris Johnson war zwar ein wirtschaftspolitischer Kurswechsel erwartet worden, aber so radikal? Liz Truss verabschiedet sich mit einem Schlag von einem Grundpfeiler konservativer Politik: Sie pfeift auf solide Staatsfinanzen.

Denn da ist ja nicht nur die größte Steuersenkung seit 1972, da ist auch die wohl größte Entlastungsaktion in der jüngeren Geschichte. Truss friert die Preise für Strom und Gas für zwei Jahre ein, damit die Energiekosten bezahlbar bleiben. Ökonomen schätzen, dass die gesamten Hilfsmaßnahmen bis zu 200 Milliarden Pfund (224 Milliarden Euro) kosten. [A.L: Also auch in England die Kurzsichtigkeit, zunächst mittels verfehlter Sanktionspolitik die Energiepreis-Explosion loszutreten, um dann die Folgen - wie Habeck - mit neuen Staatsschulden zu stopfen. Bei Truss kommen noch erschwerend die Steuersenkungen hinzu!]...

Schon jetzt liegt die Inflationsrate in Großbritannien bei 9,9 Prozent - so hoch wie in keinem anderen G-7-Staat. Und ausgerechnet jetzt senkt die Regierung die Steuern so massiv wie zuletzt 1972....

Die Reichen im Land sind die größten Nutznießer der Steuerreform

Doch von all dem will Truss nichts wissen. Es sieht so aus, als wolle sie sich trotz Energiekrise nicht davon abhalten lassen, das zu tun, was sie schon immer tun wollte. Nachzulesen in einem Buch, das sie vor zehn Jahren mit Kwarteng und anderen Tories geschrieben hat. Es heißt "Britannia Unchained", und genau darum geht es den beiden nun: Sie wollen ihr Land ökonomisch entfesseln. Und dazu zählen eben Deregulierung und Steuersenkungen im großen Stil.

Wenn man so will, versucht Truss wirtschaftspolitisch an die Zeit von Ronald Reagan und Margaret Thatcher anzuschließen. Dahinter steckt das Konzept der Trickle-down-Ökonomie, das besagt, dass der Wohlstand der Reichsten nach und nach auch in die unteren Schichten der Gesellschaft durchsickert, wenn die Vermögenden ausgiebig konsumieren und investieren. Kein Wunder also, dass die Reichen im Land die größten Nutznießer der Truss'schen tax cuts sind. Der Spitzensteuersatz sinkt von 45 auf 40 Prozent. Dazu passt, dass die von der EU verhängte Obergrenze für Banker-Boni gestrichen wird. Mit am wenigsten profitieren Angestellte, die zur middle class zählen....

------------------------

A.L.: GB ist inzwischen (ohne EU) ökonomisch nur noch eine Insel.
Von "Europa" ist geblieben, dass GB ähnlich wie das Festland unter der sanktionsbedingten Energiekrise ächzt. Der Bondmarkt und der Devisenmarkt haben Truss bereits die rote Karte gezeigt. GB-Bonds stürzen wegen Panikverkäufen ab, und das Brit. Pfund ist auch einem Allzeittief!

www.zerohedge.com/markets/...extends-newsquawk-us-market-wrap

www.zerohedge.com/markets/...thless-statement-over-fx-turmoil

--------------------

Das britische Pfund fiel zum US-Dollar gestern auf den tiefsten Stand seit 1985 (ZH schreibt sogar: Allzeittief).

 
Angehängte Grafik:
2022-09-27_10__30_gbpusd_chart_-....jpg (verkleinert auf 39%) vergrößern
2022-09-27_10__30_gbpusd_chart_-....jpg

27.09.22 12:36
1

75743 Postings, 6720 Tage Anti LemmingKommentar zum Euro-Kollaps

EUR/USD erreicht gestern mit 0,95 ein frisches 22-Jahrestief.

Ich möchte noch einmal daran erinnern, dass US-Firmen und -Hedgefonds, darunter Warren Buffett, kurz nach der 2012-Krise im großen Umfang Anleihen in Euro emittiert hatten. Damals notierte EUR/USD nach bei etwa 1,40. Darauf hatte ich in mehreren Postings hier im USA-Bärenthread hingewiesen.

Es drängt(e) sich die Frage auf: Wozu eigentlich brauchen US-Firmen Geld aus der Eurozone, wo doch der US-Anleihemarkt der liquideste der Welt ist?

Die (spekulative) Antwort: Sie hatten bereits damals darauf gewettet, dass Draghis Rettungsmodell (Europa "haftet" angeblich für die Einzelstaaten, obwohl die EU mangels Fiskalhoheit gar keine Steuern erhebt...) mittelfristig als Schuss in den Ofen enden würde.

D.h. die Firmen und Hedgefonds hatten womöglich bereits damals darauf spekuliert, dass sie ihre in Euro emittierten Anleihen irgendwann zu Euro-Kollaps-bedingten Schnäppchenpreisen zurückkaufen bzw. zurückzahlen zu können - als für "Cents on the Dollar".

Bei einer Euro-Währungsreform ergäbe sich sogar 100 % Reingewinn - plus Zinsen.

Beim jetzigen EUR/USD-Kurs von 0,96 gibt es - bezogen auf den damaligen Kurs von 1,40 - schon mal ein gutes Drittel "Krisen-Abschlag" bzw. "Rabatt". War ein "großartiger Deal", würde Trump sagen.
 

27.09.22 12:49
1

75743 Postings, 6720 Tage Anti LemmingChart dazu:

 
Angehängte Grafik:
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2022-09-....jpg

27.09.22 16:56
1

75743 Postings, 6720 Tage Anti LemmingUS-Hauspreisblase 2.0 platzt

 
Angehängte Grafik:
case_shiller_plunge.jpg (verkleinert auf 39%) vergrößern
case_shiller_plunge.jpg

28.09.22 16:18

75743 Postings, 6720 Tage Anti LemmingUS-Finanzministerin Yellen will zurücktreten

28.09.22 18:35

2871 Postings, 380 Tage isostar100"big short" michael burry

michael burry sieht die umlaufgeschwindigkeit als sträflich unterschätzten faktor bei der inflationsvorhersage. (nicht ganz ohne stolz möchte ich darauf hinweisen, dass ich das hier im bären-thread schon vor einem halben jahr mehrfach geschrieben habe bei meiner kritik an der ezb...)

Michael Burry, Gründer von Scion Asset Management, ist der Meinung, dass die Inflation noch weiter zunehmen wird. Das würde im Widerspruch mit den jüngsten Äusserungen von Elon Musk und Cathie Wood stehen, welche eine Deflation prognostizierten.
Burry untermauert seine Aussage mit einem historischen Beispiel: Die Frequenz, mit der sich das Geld durch die Wirtschaft bewegt, habe sich in den späten 1970er-Jahren deutlich erhöht. Das habe die sinkende Geldmenge übertrumpft und die Inflationsrate nach oben getrieben.
Momentan sei ebenfalls zu beobachten, dass sich die Geldumlaufgeschwindigkeit vergrössert. Dies spreche nach Meinung des bekannten Investors dafür, dass sich die Inflationsrate, wie in den 70er-Jahren, ebenfalls weiter erhöhen könnte.


 

28.09.22 18:48
1

2871 Postings, 380 Tage isostar100madame lagarde

selbst madame gibt zu, dass die gängigen modelle unzulänglich sind: aus der faz von heute..

Die EZB-Präsidentin gab zu, die Notenbank habe Fehler bei der Inflationsvorhersage gemacht, „wie viele Prognostiker, vielleicht weil wir die gleichen Prognosemodelle hatten.“ Aber noch vor anderthalb Jahren habe die Inflation bei minus 0,3 Prozent gelegen, jetzt betrage sie 9,1 Prozent. Als die Inflation zu steigen begonnen habe, habe es eine „allgemeine Meinung“ gegeben, dies sei nur „transitorisch“, also vorübergehend.
Mittlerweile habe sie eine Dauerhaftigkeit und Höhe erreicht, die niemand erwartet habe. Aufgabe der Notenbank sei jetzt die Rückkehr zu Preisstabilität.

EZB-Präsidentin Lagarde spricht über Geldpolitik diesseits und jenseits des Großen Teichs. Die Inflation sei zwar ein globales Phänomen –...
 

28.09.22 19:21
5

75743 Postings, 6720 Tage Anti Lemming"Sie war ein Model und sie sah gut aus"

Sie war ein Model und sie sah gut aus
Sie tickt nicht richtig wie so viel im Haus
Sie druckt so dreist, an sie kommt niemand ran
Bei Notsitzungen zeigt sie was sie wirklich kann

Sie trinkt in Frankfurt immer Sekt (korrekt)
hat alle Staatsbilanzen durch abgecheckt
Im Scheinwerferlicht ihr cooles Lächeln strahlt
Sie traut sich was und Frechheit wird bezahlt

Sie druckt die Währung für die Pleite weich
die Südländer strahlen denn das kommt nicht gleich
Ihr Zinsschritt zur Schau war wirklich fabelhaft
Der Euro stürzt sie weiß sie hat's geschafft.

(frei nach Kraftwerk "Das Model")
https://www.youtube.com/watch?v=OQIYEPe6DWY  

28.09.22 20:57

75743 Postings, 6720 Tage Anti Lemming# 596

Text (C) Anti Lemming  

29.09.22 00:12
2

819 Postings, 1562 Tage birkensaftSo so

"Als die Inflation zu steigen begonnen habe, habe es eine „allgemeine Meinung“ gegeben, dies sei nur „transitorisch“, also vorübergehend."

Allgemeine Meinung, ach so ist das... Mir fällt wirtschaftlich kein Thema ein, das zu der Zeit kontroverser diskutiert worden ist... schon lustig wie das mit dem Fehler einräumen und Verantwortung übernehmen so funktioniert.  

29.09.22 10:18
3

75743 Postings, 6720 Tage Anti LemmingTruss' scheinheiliges Konjunkturprogramm für GB

In GB ließe sich die galoppierende Inflation (inzwischen über 10 %) nur mit drastische Zinserhöhungen bekämpfen. Das hat die BoE auch anfangs versucht. Da anglosächsische Staatswirtschaften aber Schuldenkartenhäuser sind, geht bei deutlichen Zinserhöhungen "leider" auch der Bondmarkt (Sektor Staatsanleihen) in die Knie (außer in USA, weil der Dollar die Weltleitwährung ist). Der Anstieg am kurzen Ende der Zinskurve zieht somit das lange Ende mit hoch.

Hintergrund bzw. Ursache ist, dass Staatsanleihenkäufer, die diesem maroden System ihr Geld zur Verfügung stellen, mit einem angemessen hohen Zins (für einen etwaigen Ausfall) entschädigt werden wollen. Die Langlaufzinsen sollten mindestens so hoch sein wie die Inflationsrate (10 %).  So weit die Theorie.

Ein hochüberschuldetes Land wie GB ginge allerdings vor die Hunde, wenn auf neue Staatsanleihen über 10 % Zinsen gezahlt werden müssten. Weil dann nämlich am Ende ein Großteil des Steuereinnahmen für den "Zinsdienst" verbraucht wird. Bleibt zu wenig über für Lehrer, Polizisten, Steuerbeamte und Ampeln.

Also verzichtet GB lieber auf die nötigen Zinserhöhungen.

Der Hattrick von Trulla Truss besteht nun aber darin, das Ganze als "Konjunkturprogramm" anzudienen. Die Argumentation geht so:
Die niedrigen Zinsen würden die Wirtschaft stark beleben, was dann am Ende so viel Wachstum erzeuge, dass das Land "aus seinen Schulden rauswächst" (= Fill'sche Fehlleistung). Wir kennen diesen Sermon von Ronald Reagan, dem Initialzünder der inzwischen ebenfalls horrenden US-Staatsverschuldung. Reagans "Deal" wurde und wird von ernsthaften Ökonomen als "Voodoo-Economics" verspottet.

Der Haken an Trulla Truss' Hattrick ist allerdings, dass das Zinsniveau ja schon vorher niedrig war, ohne dass sich das ersehnte Wachstum eingestellt hätte. Verzicht auf weitere Zinserhöhungen kann dann schwerlich als wirksames Stimulationsprogramm durchgehen. In Wahrheit ist es Staatspleitenverschleppung bzw. eine wachstumsverbrämte Bankrotterklärung.

Veralbern lassen sich die Märkte - speziell der Devisenmarkt - aber ohnehin nicht. Davon hatte schon George Soros beim damaligen Sturz des Pfundes profitiert. nicht.

Denn die Marktteilnehmer bestehen aus Individuen, die Sorge haben, dass ihr teils hart erarbeitetes Geld in einem luschigen Gemeinwesen vor die Hunde geht. Also stimmen sie mit der "Hacke" ab und verkaufen ihre bisher gehaltenen GB-Bonds. Die fallen dadurch stark im Kurs, was die Zinskurve am langen Ende aufsteilt. Die steile Zinskurve wiederum erzwingt geradezu, dass neue Staatsanleihen mit einem angemessenen Coupon (über 10 %) emittiert werden. Außer Trulla Truss lügt, das Unterlassen der nötigen Hochzinspolitik wäre ein Konjunkturprogramm.

Endergebnis: Die Kapitalflucht aus einem Pleiteland-in-spe führt - wie üblich - zu einem Sinken des Außenwertes der betroffenen Währung. Das britische Pfund fiel vor einigen Tagen auf ein 38-Jahrestief zum Dollar.

In den Pleite-Ländern-in-spe der Eurozone spielt sich im Grunde das Gleiche ab. Anleger (auch institutionelle) ziehen ihre Gelder z. B. aus Italien ab, weil 150 % Schuldenquote im kommenden Hochzins-Europa (erzwungen von galoppierender Inflation) nicht mehr "tragfähig" ist.

In Italien wirkt sich dies jedoch - anders als in GB - nicht so SCHNELL aus. Denn die EZB besitzt die Frechheit, das dortige Aufsteilen der Zinskurve (Folge der Kapitalflucht) als Markt-Anomalie zu definieren. Die EZB weiß eben besser als der Markt, welche Langlaufzinsen für Italien angemessen sind. ;-)

Also wird hastig eine Transmissionsriemenprogramm aufgelegt. Technisch gesehen handelt es sich um ein Förderband, das gutes deutsches Geld nach Italien transportiert und dem dortigen schlechten Geld hinterherwirft ;-) Alles unter der Überschrift "Solidarität", obwohl Italien jetzt eine neue Rechtsregierung hat, die nach dem Motto "Saugen ist seliger denn Geben" operiert.

Doch auch mit der Brechstange wird die lockere Christine in Italien (und letztlich in ganz Europa) kein zweites GB-Fiasko verhindern können. Eben weil Planwirtschaft noch nie funktioniert hat. Das gilt auch für die Transmissions-Magier der EZB.

Beim Euro läuft der Untergang dank Christines Transmissionsriemen langsamer als beim Pfund: Er ist erst auf einem 20-Jahrestief zum US-Dollar. Das liegt allerdings auch daran, dass es den Euro (in Cash) erst seit 20 Jahren gibt.

Siehe auch hier:
https://www.welt.de/wirtschaft/article241315309/...-Anleihemarkt.html  

29.09.22 11:41
2

2871 Postings, 380 Tage isostar100britische hybris

wie schon beim brexit, das gebahren von liz truss ist genauso wie das ihres vorgängers boris von britischer hybris geprägt: sie überschätzen sich gewaltig. grossbrittanien ist kein empire mehr, grossbrittanien hat keine kolonien mehr, grossbrittanien ist keine weltmacht mehr, das pfund ist keine weltwährung mehr.

das problem im wirtschaftsprogramm von truss und ihrem finanzminister kwarteng ist folgendes: wer so gigantisch viele neue schuldtitel ausgeben will, der sollte vorher prüfen, ob auch genügend willige käufer dafür vorhanden sind. offenbar nicht, sonst wäre der kurs des pfundes nach der ankündigung des wirtschaftsprogrammes nicht so abgeschmiert. und das eingreifen der britischen nationalbank gestern nachmittag zur stützung der währung deuten nicht wenige marktteilnehmer als pure panikreaktion.  

29.09.22 11:46

2871 Postings, 380 Tage isostar100pssst: bärenmarktrally in anmarsch?

das übergeordnete bild zeigt klar abwärts, die marktstimmung ist ganz weit unten und alles ist brutal  überverkauft.......

....das sind genau die zutaten, welche es für eine kleine, feine bärenmarktrally braucht.

ob sie kommt? keine ahnung. aber kommt in nächster zeit auch nur von einer der verschiedenen aktuellen krisen etwas positives, dann wären alle notwendigen bedingungen für eine bärenmarktrally da.  

29.09.22 13:14
2

117 Postings, 352 Tage NoergeliIm verregneten Königreich

brennt das Dach. Was sich da am Finanzmarkt abspielt, ist der Offenbarungseid einer Notenbank.  

29.09.22 13:36
1

2871 Postings, 380 Tage isostar100credit suisse in den bärenthread

die credit suisse hat um aufnahme in den bärenthread gebeten:


warscheinlich kriegt man das ausserhalb des alpenlandes nicht gross mit, aber die credit suisse
( WKN: 876800 ) sinkt immer tiefer in den strudel. denen steht das wasser schon bis kante unterlippe!

am finanzplatz zürich rechnen nicht wenige unterdessen mit einer notwendigen stützung durch die nationalbank in den kommenden wochen.

www.cash.ch/news/top-news/...-von-4-milliarden-franken-535609

insideparadeplatz.ch/2022/09/28/...-in-zwangsurlaub-schicken/
 

29.09.22 14:18

117 Postings, 352 Tage NoergeliDeckel drauf!

und gut is?Naja.

Bundesregierung einigt sich auf Gaspreisbremse
Ein Deckel auf Gaspreise soll Bürgerinnen und Bürger entlasten. Das hat die Bundesregierung verkündet. Dafür werden bis zu 200 Milliarden locker gemacht. Die umstrittene Gasumlage ist hingegen gekippt worden. https://www.spiegel.de/wirtschaft/...b3b9-bd3e-4511-a74d-3be6dc96a1fc

Dann kann man endlich wieder beherzt drauflos heizen, als wäre man Hartz4 Empfänger.
Dumm nur, dass es dadurch mit dem Gas nicht reichen wird: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/...nt-zum-sparen-18351047.html


 

29.09.22 14:29
1

117 Postings, 352 Tage NoergeliChristian Lindner

auf der Pressekonferenz zum Gaspreisdeckel: „Ausdrücklich folgen wir nicht dem Beispiel Großbritanniens auf dem Weg einer expansiven Fiskalpolitik.“

Warum hat er das wohl extra betonen müssen?  

29.09.22 14:41
2

75743 Postings, 6720 Tage Anti LemmingPasst zur hiesigen BoE-Diskussion

Im Ökonomenthread # 394 schrieb User Slide808:

"Die Bank of England hat mit ihrer Intervention einen Lehman-Crash 2.0 verhindert! Denn hätte die Bank of England nicht eingegriffen, wären Pensionsfonds pleite gegangen und hätten damit eine Kettenreaktion ausgelöst, die wir ähnlich nach der Lehman-Pleite 2008 gesehen haben, als die Märkte austrockneten."


A.L.: Höchst fragwürdig bleibt, wieso die Bank of England - trotz einer angeblich wegen Truss' Steuersenkungen boomenden GB-Wirtschaft - erneut auf QE zurückgreift.

QE bedeutet, dass die britische Zentralbank - letztlich eine staatliche Instanz - die britischen Staatsschulden aufkauft. Einziges Ziel dieser planwirtschaftlichen Maßnahme ist, die fallenden Kurse der britischen Staatsanleihen wieder hochzubringen. Wobei auch Truss sich nicht geniert, die Kursstürze der britischen Staatsanleihen als "Markt-Anomalie" abzutun.

Fakt bleibt: Kein sterblicher Investor, also niemand sonst außer der BoE, würde die britischen Staatsanleihen zu diesen Kursen kaufen - und schon gar nicht "hochkaufen". Bei realen Investoren herrscht blanke Verkaufspanik, und die BoE greift als staatliche Stelle (faktisch als "Käufer der letzten Instanz") in dieses fallende Messer.

Mit ihrem QE stützt die BoE die fallenden Bondkurse, und die strauchelnden Pensionsfonds bekommen keine Margin Calls mehr. Scheinbar eine gelunge Rettung - würde dabei nicht die Bilanzsumme der BoE bis zum (finalen) Platzen anschwellen. Finales Platzen heißt: Staatspleite und Währungsreform, das Pfund wird wertlos. (Es hat schon seinen Grund, warum Anleger panikartig vom Pfund in den US-Dollar umschichten.)

Die Aktion stinkt auch insofern, als die BOE ja bereits den Leitzins (wegen der 10 % Inflation) deutlich erhöht hat. QE ist normalerweise eine Werkzeug, das in scharfen Krisen wie 2008, wenn die Leitzinsen bereits bei Null sind, als letzte Verzweiflungstat der Notenbanken eingesetzt wird. Mithin eine akute Notmaßnahme.

Mit Truss' Mär von einer steuersenkungsbedingt boomenden GB-Wirtschaft sind die QE-Stüzungen des kollabierenden GB-Staatsanleihenmarktes somit in keinster Weise vereinbar!

Es ist von vorn bis hinten stinkende, manipulative Planwirtschaft, die mit Truss' neoliberalem Ansatz in KEINSTER WEISE vereinbar ist. Sie verrät damit ihren eigenen Konservatismus.

 

29.09.22 14:59

117 Postings, 352 Tage NoergeliGenau so ist es und

das Erstaunlichste: Niemand hat diese heftiger Reaktion des Marktes auf der Rechnung gehabt.

Dementsprechend groß ist nun  die Verunsicherung, und wie will man da glaubwürdig! die Inflation bekämpfen?

Das Ganze ist auch ein Wink mit dem Zaunpfahl für die EZB, wenn sie ähnliche Pläne bei den Südländern verwirklichen will. Spannend.  

29.09.22 15:03

75743 Postings, 6720 Tage Anti LemmingDeutsche Inflation steigt auf 10 %

SPON

Statistisches Bundesamt
Inflationsrate steigt auf zehn Prozent

9-Euro-Ticket weg, Tankrabatt weg: Die Inflation hat sich im September beschleunigt. Bundesweit klettert sie laut einer Schätzung des Statistischen Bundesamts auf 10,0 Prozent.

----------

A.L.: Offen ist eigentlich nur, ob man sich dafür bei Lagarde oder bei Frau Baerbock bedanken soll. Bezeichnenderweisehat der US-Außenminister Frau Baebock gerade als "Star" bezeichnet.

 

29.09.22 17:22
1

75743 Postings, 6720 Tage Anti LemmingVIX (Volaindex) hat noch viel Luft nach oben

Mindestens 85 bis 90 (letzte Hochs) im VIX wären angesichts des Triple-Whoppers aus Rezession, starker Inflation und nötigen Zinserhöhungen "angemessen".

Allerdings sollte man, wie das schlechte Beispiel der NotenbankerInnen mahnt, sehr sorgsam mit dem Wort "angemessen" umgehen.

Es könnte auch gut ein neues ATH im VIX geben.

Bottom-Calling (# 601) kommt jedenfalls ca. 5000 Dax-Punkte zu früh ;-)  
Angehängte Grafik:
tp9ot.gif (verkleinert auf 88%) vergrößern
tp9ot.gif

29.09.22 18:03

75743 Postings, 6720 Tage Anti LemmingLehman hat jetzt die Liquidierung abgeschlossen

- 14 Jahre und 13 Tage nach der Pleite in 2008.

https://www.reuters.com/markets/us/...ge-ends-liquidation-2022-09-28/

After 14 years, Lehman Brothers' brokerage ends liquidation

NEW YORK, Sept 28 (Reuters) - The liquidation of Lehman Brothers' brokerage unit has ended, 14 years and 13 days after its parent's bankruptcy helped trigger a market freefall and global financial crisis.

U.S. Bankruptcy Judge Shelley Chapman in Manhattan closed the brokerage's estate on Wednesday and awarded final payments to the trustee who oversaw its liquidation and his law firm.

More than $115 billion was paid out.

Lehman's 111,000 customers received all $106 billion they were owed, and secured creditors also received full payouts.

Unsecured creditors recovered $9.4 billion, or about 41 cents on the dollar. They were originally expected to recover about 20 cents on the dollar.

Lehman Brothers Holdings Inc, the brokerage's parent, had been Wall Street's fourth-largest investment bank before filing what remains by far the largest U.S. bankruptcy on Sept. 15, 2008.  

29.09.22 19:57

75743 Postings, 6720 Tage Anti LemmingDAX geht das Gas aus

und dies "nicht nur vorübergehend"...

Nordstream-Schäden laut Spon "irreparabel"

www.spiegel.de/politik/deutschland/...-45f1-9ec8-74491bf8b5fc

Ermittler gehen von Bomben mit großer Sprengkraft aus

Nach SPIEGEL-Informationen gehen die deutschen Sicherheitsbehörden davon aus, dass die Röhren der Nord-Stream-Pipelines durch massive Sprengsätze beschädigt wurden. Das lässt Rückschlüsse auf den möglichen Täterkreis zu.

...Eine Reparatur der Pipeline wird in Sicherheitskreisen mittlerweile als sehr unwahrscheinlich bezeichnet. Da die beschädigten Röhren derzeit mit Meerwasser vollliefen, korrodiere die spezielle Innenbeschichtung sehr schnell, hieß es in Berlin. Wenn die Röhren einmal geflutet seien, so die Analyse, sei die Pipeline nicht mehr zum Durchleiten von Gas zu verwenden.


 
Angehängte Grafik:
2022-09-29_16__25_corona-turnarounds_-....jpg (verkleinert auf 93%) vergrößern
2022-09-29_16__25_corona-turnarounds_-....jpg

29.09.22 20:11

75743 Postings, 6720 Tage Anti LemmingLagarde vor dem nächsten XXL-Zinsschritt

29.09.22 21:01

75743 Postings, 6720 Tage Anti LemmingSo übel sieht der Inflationschart aus

 
Angehängte Grafik:
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2022-09-29_20-45.jpg

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