Ich höre und lese in den letzten Tagen sehr, sehr oft von einer bevorstehenden Advents- bzw. Weihnachtsrally. Allerdings sollten dafür schon gewisse Voraussetzungen erfüllt werden, bevor die Bullen hier wieder mal 'n gutes Stück weit zu früh vorauspreschen, ohne nach links bzw. rechts zu schauen. Sprüche wie "Es hat den Anschein, dass viele Anleger den Tiefpunkt als überwunden ansehen" oder "Viele Aktien sind aus Sicht von Analysten extrem niedrig bewertet" oder "Wer seine Aktien verkaufen wollte, dürfte schon verkauft haben, so dass nun keine große Verkaufswelle mehr auf uns zuschwappen sollte" sind hier als symptomatisch zu bezeichnen.
Es gibt ein paar Fakten, die für die vorausliegenden Tage noch wohl von Beachtung sein dürften. Die vier Up-Handelstage der Thanxgivin-Woche fanden unter dürftigem Volumen statt. Entscheidend wird somit zukünftig sein, ob die Seitenlinie weiter aufspringt. Wenn das nicht passieren sollte, so führt auch Klaus Singer in seinem aktuellen Comment richtigerweise aus, kann schnell wieder starker Verkaufsdruck aufkommen, denn noch laufen die über zehn Tage gemittelte Entwicklung von Kursen und Volumen nicht synchron.
Die wie immer präzisen Daten von der DecisionPoint-Site zeigen uns folgende moderate Tendenzen: Bei den NYSE Common Stocks haben wir die Situation, dass momentan 54% der Stocks über ihrem 20er MA notieren und 18% sogar über dem 50er MA, die höchste Anzahl seit dem Oktober-Drop.
Desweiteren:
"Friday also saw the number of NYSE, NASDAQ, and ASE stocks making fresh 20-day highs exceed new lows by 304 to 120. We will be watching those numbers closely; despite Friday's gains, we did not see an expansion of new 20-day highs. Friday's money flows were slightly negative for the Dow Industrial stocks at -$15 million, though the week's flows were modestly positive at $33 million. We will need to see continued expansion in new 20-day highs and continued positive money flow numbers to keep the rally going."
So ist es. Für die weitere Fortsetzung einer Rally wäre die kontinuierliche Zunahme neuer 20er MA-Hochs bei den Stocks sowie auch ein fortgesetzter positiver Money Flow unabdingbar. Dieser Money Flow könnte sich evtl. bei nachlassender Risikoaversion verstetigen, wenn Geld vom Parkplatz in Assets verschoben wird. Zusammen mit dem extrem aufgeblasenen Bond-Segment wäre auch sicher genügend "Treibstoff" da, um die Aktienkurse höher zu pushen, wobei aber die institutionellen Anleger wahrscheinlich schon vielfach ihre Bücher für dieses Jahr geschlossen haben dürften.
Dies gilt es parallel zur anstehenden News-Front (Ausblick aufs Weihnachtsgeschäft nach dem Black-Friday-Wochenende, evtl. anstehende Zinssenkung der EZB, US- Arbeitsmarktzahlen am Freitag, US-Einkaufsmanagerindex für die Industrie bzw. Dienstleistungen etc.) aufmerksam zu beobachten.
Marc Faber übrigens erwartet, dass die Phase der Flucht in vermeintlich besonders sichere US-Staatsanleihen bald abgeschlossen sein wird, sich der Trend dann dementsprechend umkehrt und die Liquidität von US-Staatsanleihen zurück in die unterbewerteten und "extrem überverkauften" Vermögensklassen fließen wird. Ergo würde somit der Dollar fallen und die Emerging Markets-Währungen und Rohstoffe ein "Feuerwerk" erleben. Einen Zeitpunkt für eine Rallye nannte der aus nachvollziehbaren Gründen ansonsten immer nur langfristig argumentierende Fondsmanager auch: Da die globalen Konjunkturpakete mit einem Abstand von 2-4 Monaten in der Wirtschaft ankommen, prognostiziert er das "Feuerwerk" im ersten Quartal von 2009.
Mit dieser Aussage steht Faber in guter Gesellschaft und fast deckungsgleich mit den Meinungen der Money-Manager Andy Kessler (siehe hierzu auch Posting #2184 "Ignore the Stock Market Until February") und John Mauldin (siehe hierzu auch Posting #1824 "We could see a very large rally the first quarter of next year. For traders, this will be a chance to make some money")
Interessante Aspekte dieser Investment-Größen, die mir aber auch ein frühzeitiges starkes Hochlaufen der Kurse noch in 2008 eher wenig wahrscheinlich anmuten lassen.
Daher rechne ich persönlich bis zum Jahresende nicht mehr mit einer fulminanten Rally (der SPX hat seit dem 21.11. bereits um 20% zugelegt), sondern mit einer moderaten Seitwärtsentwicklung, evtl. vielleicht sogar nochmals mit leichter Abwärtsendenz der Kurse bei etwas nachlassender Volatilität zum Jahresende, natürlich vorausgesetzt, uns erreichen keine "Big Bad News".
Die Reaktionen auf die Anfang Januar 2009 startende Berichtssaison dürften sich dann als aufschlussreich und schon richtungsweisend darstellen.
Wir befinden uns weiterhin in einem Bären-Markt der heftigsten Sorte und es wird länger als vielfach gedacht dauern, bis diese Krise überwunden sein wird. Noch etwas zu dem von vielen Medien aktuell veröffentlichten vorweihnachtlichen Umsätzen, bei denen es "besser als erwartet" ausschauen könnte:
Konsum und Beschäftigung sind nachlaufende Indikatoren der realwirtschaftlichen Konsequenzen, der eingebrochenen Börsenkurse und der gefallenen Immo-Preise: Der Konsum sinkt daher erst mit einiger Verzögerung und dann knickt die Beschäftigung ein. ----------- "Wenn Sie nicht wissen, wer Sie sind, ist die Börse ein verdammt kostspieliger Ort, es herauszufinden." (David Dreman)
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