26.04.2005 11:45
Bewertungs-Posse um WCM
von Detlev Landmesser
Das gibt es nicht oft: Wegen zweier Einstufungen ein und derselben Bank innerhalb von nur drei Handelstagen wurde die Aktie von WCM kräftig durchgeschüttelt. Das erinnert an einen früheren Fall.
Am Dienstagmorgen stufte die WestLB die WCM-Aktie von "Sell" auf "Neutral" hoch und erhöhte das Kursziel deutlich von 0,20 Euro auf 0,50 Euro pro Aktie. Pikant dabei ist, dass das Institut erst am vergangenen Freitag seine Bewertung nach der Bilanzvorlage der Gesellschaft von "Neutral" auf "Sell" heruntergenommen und das Kursziel drastisch von ursprünglich 1,15 Euro auf 20 Cents gesenkt hatte.
Die WCM-Aktie war daraufhin am Freitag um 40 Prozent eingebrochen, und hatte am Montag weitere 16 Prozent auf 0,42 Euro eingebüßt. Am Dienstag erholte sich das Papier dann zunächst auf 0,46 Euro, bevor es wieder etwas zurückfiel.
"Zusätzliche Informationen von WCM"
WestLB-Analyst Georg Kanders begründete seinen Gesinnungswandel gegenüber boerse.ARD.de vor allem mit einer Neueinschätzung des Verkaufs der MAAG-Beteiligung im vergangenen Dezember. Ein Gespräch mit WCM-Chef Roland Flach am Donnerstag habe keine Klärung in dieser Sache gebracht.
Erst ein weiteres Gespräch mit dem zweiten Vorstand Valentin Reisgen am Montag habe zusätzliche Informationen zu Tage gefördert, die das Bild ein wenig aufgehellt hätten. So habe der MAAG-Deal entgegen seiner bisherigen Einschätzung einen positiven Effekt auf die Nettoverschuldung im laufenden Jahr. WCM hatte seine 38,7-prozentige Beteiligung an der Schweizer MAAG Holding im Dezember mit Vollzug im Januar 2005 an die Swiss Prime Site AG verkauft.
Außerdem habe WCM zusätzliche Informationen über einige weitere Vermögensgegenstände enthüllt, und einen 29,1-prozentigen Anteil an der Wuppertaler Wohnungsgesellschaft Barmer Wohnungsbau angezeigt.
Steuerrisiko auf 10 Cents je Aktie veranschlagt
Die Neueinschätzung ergebe nun einen Nettovermögenswert (Net Asset Value) von 0,43 bis 1,00 Euro pro Aktie, wobei das Steuerrisiko aus dem Streit mit dem Fiskus nicht enthalten sei. Veranschlage man eine Wahrscheinlichkeit für die Steuernachzahlung von 20 Prozent, sinke der Mittelwert des Net Asset Value um weitere 10 Cents auf 0,62 Euro.
Ziehe man den üblichen Risikoabschlag von 20 Prozent ab, ergebe sich das neue Kursziel von 50 Cents. Dieses liegt immer noch deutlich unter dem WCM-Kurs der vergangenen Woche, als das Papier knapp unter der 90-Cent-Marke herumdümpelte.
Deja-vu
Der Fall erinnert an einen Vorgang aus dem Sommer 2002. Mitte Juni 2002 hatte eine Studie der bis dato kaum bekannten United Zurich Finance, die mehrheitlich dem Schweizer Finanzier Florian Homm gehörte, für Furore gesorgt.
Die Analyse stufte den MDax-Titel, der damals noch bei seligen neun Euro notierte, als "Strong Sell" ein und nannte ein Kursziel von 2,86 Euro. Daraufhin brach die Aktie drastisch ein. Nach einer Klageandrohung und einem eingehenden Gespräch zwischen Flach und Homm wurde die Studie zwei Wochen später grundlegend umgekrempelt. Was der WCM-Aktie allerdings auffällig wenig half. Die neun Euro hat das Papier jedenfalls nie mehr wieder gesehen, und die ursprüngliche Einschätzung aus der Schweiz bestätigte sich im Nachhinein bitterlich.
Würfelspiel WCM
Was man daraus lernen kann? Offenbar trägt ein Wertansatz für die WCM-Aktie Züge eines Würfelspiels. Im Fall WCM liegt das nicht nur an der üblichen Intransparenz der Bilanz einer Beteiligungsgesellschaft, sondern auch an der hohen Schwankungsbreite der Wertansätze sowie der ungeklärten Frage um mögliche Steuernachzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe./b>
Einmal mehr zeigt sich, dass auch Analystenstudien mit äußerster Vorsicht zu genießen sind. Insbesondere dann, wenn sie eine derart kurze Halbwertszeit haben.
MfG kiiwii
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